Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die liberale Schule 
für die Völker, denen der innere Handel nicht genügt, um die 
Produkte ihres Landes vorteilhaft abzusetzen“ x ). Trotzdem muß 
die Freiheit des auswärtigen Handels prinzipiell verlangt wer 
den, weil sie dem Naturrecht entspricht und dem Willen der 
Vorsehung, welche die Arbeitsteilung unter den Völkern durch 
die Verschiedenheit in der Lage, dem Klima, der Fruchtbar 
keit usw. der einzelnen Gebiete begründet hat; weil ein freier 
Außenhandel dem Überschuß der nationalen Produktion einen 
guten Preis sichert; weil er den Staat bereichert, indem er die 
Produktion belebt; ja weil er eine Folge des Eigentumsrechtes 
ist, indem einerseits der Produzent ein Recht darauf hat, seine 
Produkte nur zu dem Preise abzugeben, der ihm ein ausgedehn 
teres Absatzfeld sichert, und andererseits der Konsument das 
Recht beanspruchen darf, Produkte für sein Geld zu erhalten, 
welche dem Wert des gezahlten Betrages entsprechen 2 ). 
Das physiokratische System hat als solches keinen Bestand 
gehabt. Von den beiden Grundideen, auf welchen es aufgebaut 
ist, der natürlichen Ordnung des Wirtschaftslebens und der 
alleinigen Produktivität des Ackerbaus, lebte die erste in der 
Form weiter, welche ihr Adam Smith gab, während die zweite 
keine Vertreter mehr fand. Denn nach dem Sturze Turgots 
wurde die Schule versprengt; sie geriet rasch in Vergessenheit. 
Auf die große Menge hatten die Physiokraten nie bedeutenden 
Einfluß gewonnen. Der Rationalismus verlieh ihren Spekula 
tionen einen weltfremden, esoterischen Charakter. In der zeit 
genössischen Literatur wurden ihre schwerfälligen wissenschaft 
lichen Werke vielfach verhöhnt und verspottet. Bekannt ist in 
dieser Hinsicht z. B. Voltaires Pamphlet „L’homme aux quarante 
ecus", in welchem das physiokratische Postulat der alleinigen 
Grundsteuer geschickt persifliert wird. Immerhin war es aber 
auf den direkten Einfluß physiokratischer Ideen zurückzuführen, 
daß von den ersten Versammlungen der Revolution, der „Con 
stituante“ und der „Législative“, die Freiheit der Personen und 
des Eigentums, die Anbau-, Gewerbe- und Arbeitsfreiheit ver 
wirklicht und wenigstens ein Teil der innern Schranken des 
J ) Quesnay, Du Commerce, in der Onckenschen Ausgabe, Frankfurt und 
Paris 1888, p. 484. 
2 ) Vgl. Schatz, L’Individualisme économique et social. Paris 1907, p. 108—104.
	        
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