Full text: Finanzwissenschaft

90 
3. Buch. Die Staatsausgaben. 
sunder Zustand, wenn zur Deckung von ordentlichen Ausgaben 
außerordentliche Einnahmen in Anspruch genommen werden. Ein 
sehr günstiger Zustand des Staatshaushaltes ist es dagegen, 
wenn selbst die außerordentlichen Ausgaben durch die ordentlichen 
Einnahmen gedeckt werden können. Es ist dann nur eine Frage 
der Zweckmäßigkeit, ob in der Tat die außerordentlichen Ausgaben 
aus den ordentlichen Einnahmen gedeckt werden sollen oder ob es 
nicht zweckmäßiger und gerechter ist, die ordentlichen Einnahmen 
durch Aufgeben unzweckmäßiger oder drückender Steuern herab 
zusetzen und für die außerordentlichen Ausgaben außerordentliche 
Einnahmsquellen zu beanspruchen 1 ). 
Bei der Unterscheidung der ordentlichen und außerordentlichen 
Ausgaben müssen verschiedene Fälle ins Auge gefaßt werden und 
der gewöhnlich begangene Fehler der Definitionen ist eben auf 
den Umstand zurückzuführen, daß man allgemein ganz einseitig 
nur einen der Fälle ins Auge faßte. Man betrachtete näm 
lich als ordentliche Ausgaben diejenigen, die alljährlich ohne 
größere Schwankungen vorkommen, als außerordentliche diejenigen, 
die nur ausnahmsweise vorkommen. Nun läßt sich, wie wir gleich 
sehen werden, die Bezeichnung der außerordentlichen Ausgaben in 
gewissen Fällen auch auf solche Ausgaben anwenden, die wenigstens 
für eine lange Zeit jährlich vorkommen. Dann hat man unter 
ordentlichen Ausgaben diejenigen verstehen wollen, die vorherzusehen 
sind, unter außerordentlichen diejenigen, die unvorhersehbar sind. 
Daß die Bezeichnung der außerordentlichen Ausgaben auf diese 
Kategorie nicht beschränkt werden kann — obwohl gewiß die un 
vorhersehbaren Ausgaben gleichfalls zu den außerordentlichen ge 
hören —, ergibt sich schon daraus, daß mehr weniger jedes Budget 
außerordentliche Ausgaben enthält, daher gibt es außerordentliche 
Ausgaben, die vorhersehbar sind. Mit Recht teilt Heckei 2 ) die 
außerordentlichen Ausgabep in solche, die vorausgesehen und solche, 
die unvorhergesehen sind und bemerkt, daß auch einmalige Aus 
gaben zu den ordentlichen gehören können. Wir können aber noch 
eine dritte Kategorie der außerordentlichen Ausgaben aufstellen. 
Wir können vom Standpunkte des Zweckes der Ausgaben ordent 
liche Ausgaben jene nennen, welche die jährliche regelmäßige Staats- 
*) Wischnigradski, russischer Finanzminister, nahm den ultraorthodoxen 
Standpunkt ein, daß vom Gleichgewicht im Staatshaushalt nur dann die Rede 
sein kann, wenn auch die außerordentlichen Ausgaben des Staates aus den 
ordentlichen Einnahmen bestritten werden können (Golowin, Russische Finanz 
politik S. 40). 
8 ) Das Budget. Leipzig 1898. 8. 42 ff.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.