Full text : Finanzwissenschaft

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3.  Buch.  Die  Staatsausgaben.

Einfluß  sich  betätigt  und  verdienstvolle  Beamten  durch  parlamentarische ­
  Outsiders  in  den  Hintergrund  gedrängt  werden,  deren
Arbeitskraft  und  Arbeitslust  oft  gleich  Null  ist.  Auch  eine  überflüssige
Belastung  des  Budgets  durch  Schaffung  überflüssiger  Amtsstellen
ist  zu  konstatieren.  Demokratien  sündigen  ihrer  Natur  gemäß  gewöhnlich ­
  darin,  daß  viele  Ämter  kreiert  werden  um  möglichst  viel
Bürger  mit  einträglichen  Stellen  zu  versehen  (Athen).  Gewöhnlich
sind  die  Gehälter  auf  den  unteren  Stellen,  deren  Zahl  groß  ist,  entsprechender ­
  als  auf  den  höheren  Stellen.  So  erhält  z.  B.  in  der
Schweiz  im  reichsten  Kanton,  in  Baselstadt,  der  höchste  Beamte
ein  Gehalt  von  8500  Franks,  aber  in  Baselland  blos  4000,  in  Glarus
nur  1200,  in  Uri,  Zug  bloß  400.  Diese  Verschiedenheiten,  welche
auf  Verschiedenheiten  der  Staatsformen  zurückzuführen  sind,  erklären ­
  die  großen  Disparitäten,  die  wir  in  verschiedenen  Perioden
und  verschiedenen  Staaten  finden.  Das  Intrigenspiel  in  der  englischen ­
  Geschichte  des  XVII.  Jahrhunderts  hängt  namentlich  damit
zusammen,  daß  die  höchsten  Würdenträger  des  Staates  exorbitante
Einkommen  bezogen,  was  natürlich  den  Neid  hervorrief.  Marlborough ­
  bezog  ein  Gehalt  von  54825,  Sunderland  30000  Pfd.
Sterling 1 ).  Im  Jahre  1789  hatte  der  französische  Kanzler  ein  Gehalt ­
  von  120000  Livres,  der  Justizminister  135  000  Livres,  der
Staatssekretär  180670  Livres;  letzterer  erhielt,  nachdem  er  erklärte,
daß  er  hiervon  nicht  leben  kann,  226000  Livres.  Mazarin  erwarb
während  seiner  zwanzigjährigen  Amtstätigkeit  ein  Vermögen  von
200  Millionen  Livres.  Kaunitz,  der  Kanzler  Maria  Theresias,  bezog
78000  Gulden.  Bei  der  königlich  ungarischen  Hofkammer  betrug
im  Jahre  1549  die  Bezahlung  des  Präsidenten  800  Gulden  —  im
heutigen  Geldwert  etwa  das  Zehnfache  —.  die  der  Kämmerer
300-500  Gulden.
Von  den  Staatsämtern,  die  den  Staatsdienst  besorgen,  sind  wohl
zu  unterscheiden  die  Sinekuren,  öffentliche  Bestallungen  zur  arbeitslosen ­
  Versorgung  von  Personen.  Diese  Sinekuren  müssen  abgeschafft
werden,  denn  sie  bedeuten  eine  leichtsinnige  und  demoralisierende
Vergeudung  der  Staatseinkünfte.  Keine  Staatsform  hat  sich  bisher
von  diesen  Sinekuren  vollständig  zu  befreien  gewußt,  weder  die
Monarchie,  noch  die  Aristokratie,  noch  die  Demokratie.  Die  größten
Sinekuren  finden  wir  doch  in  den  Monarchien,  namentlich  zur  Zeit
des  Absolutismus,  und  alle  diese  Sinekuren,  sowohl  im  Staat  als  in
der  Kirche,  wurden  dem  Adel  zuteil.  „Überall  wuchern  Müßig-’)

  Über  die  Höhe  der  Beamtengehälter  in  früheren  Perioden  viele  lehrreiche ­
  Daten  siehe  Koscher,  Finanzwissenschaft,  2.  Anti.  (Stuttgart  1886),  S.  459
            
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