Full text : Finanzwissenschaft

XII.  Abschnitt.  Ausgaben  für  Heer,  Flotte  und  Krieg.

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spieliger  als  das  auf  der  allgemeinen  Wehrpflicht  beruhende  System;
nun  benötigt  aber  ein  Staat,  der  eine  große  Kolonialpolitik  befolgt,
berufsmäßige  und  lange  dienende  Soldaten.  Hierzu  eignet  sich
das  System  der  allgemeinen  Wehrpflicht  nicht.  Auch  ist  vor
Augen  zu  halten,  daß  bei  dem  in  England  üblichen  hohen  Arbeitslohn, ­
  hohem  Preisniveau,  bei  jeglichem  System  —  wie  dies  Bastable
richtig  bemerkt  —  ein  englisches  Heer  stets  höhere  Kosten  verursachen ­
  wird,  als  z.  B.  das  preußische  Heer.  Ob  die  größere
Kostspieligkeit  des  englischen  Heeres  (vor  dem  Kriege  waren  die
Kosten  für  einen  Mann  beiläufig  2000  Mark,  in  Deutschland
1000  Mark)  in  den  Vorteilen  zum  Ausdruck  kommt,  das  ist  fraglich. ­
  Große  Ersparnisse  läßt  das  Milizsystem  erwarten,  das  wohl
nach  dem  Kriege  schon  aus  finanziellen  Gründen  Eingang  finden
sollte.
Die  größte  Steigerung  der  Heereskosten  hängt  mit  der  kolossalen ­
  Entwicklung  der  modernen  Technik,  namentlich  mit  der  Entwicklung ­
  der  destruktiven  Technik  zusammen.  Diese  Entwicklung
ist  eines  der  stupendesten  Momente  der  jüngsten  Zeit.  Schon  nach
dem  deutsch-französischen  Krieg  nahm  die  destruktive  Technik,
die  Kriegstechnik,  kolossalen  Aufschwung,  wie  dies  der  russische
Senator  Bloch  in  seinem  großen  Werke  „Der  zukünftige  Krieg“
(Berlin  1899)  in  frappanten  Daten  zusammenstellt.  Seitdem  ist
die  Entwicklung  weiter  fortgeschritten;  die  Dreadnoughts,  Flieger,
Zeppeline,  Unterseeboote,  Tanks,  42-Zentimeter-Geschütze  usw.  charakterisieren ­
  den  zurückgelegten  Weg,  von  vielen  anderen  Neuerungen
ganz  abgesehen,  wie  im  Allgemeinen  die  Vervollkommnung  der
Schießwaffen  und  viele  der  Humanität  hohnsprechende  Erfindungen.
Mit  den  technischen  Fortschritten  muß  natürlich  jeder  Staat  Schritt
halten,  wenn  er  seine  Sicherheit  und  Selbständigkeit  nicht  gefährden ­
  will.  So  hat  Österreich  im  italienischen  Krieg  vom  Jahre
1859  und  im  Krieg  mit  Preußen  im  Jahre  1866  große  technische
Nachteile  gehabt,  im  ersten  Falle  der  Mangel  der  gezogenen  Kanone, ­
  im  zweiten  der  Mangel  des  Hinterladergewehrs,  obwohl  angeblich ­
  diese  Erfindungen  erst  Österreich  angeboten  wurden.
Die  konsequente  Steigerung  der  Ausgaben  für  das  Heerwesen
läßt  sich  allgemein  konstatieren.  In  einem  par  excellence  Militärstaat ­
  wie  Preußen  beobachten  wir  folgendes  Steigen  der  Ausgaben.
Unter  dem  großen  Kurfürsten  betrugen  die  jährlichen  Ausgaben
für  Heerwesen  3  Millionen  Mark,  unter  Friedrich  d.  Gr.  40  Millionen, ­
  unter  Kaiser  Wilhelm  I.  131  Millionen.  Aber  dieselbe  Entwicklung ­
  beobachten  wir  auch  in  Staaten  mit  weniger  ausgeprägtem
militärischen  Charakter.  In  England  betrugen  die  jährlichen  Aus-9*

            
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