Full text : Finanzwissenschaft

XII.  Abschnitt.  Ausgaben  für  Heer,  Flotte  und  Krieg.  135
ebenso  wie  unsere  jungen  Kaufleute,  sich  bemühen,  sich  diejenigen
Eigenschaften  zu  erwerben,  deren  man  bedarf,  wenn  man  in  fremdem
Lande,  auf  sich  selbst  angewiesen,  nicht  zu  Schaden  kommen  will...
Jedenfalls  glaube  ich  in  vorliegender  Schrift  klar  und  deutlich  genug ­
  bewiesen  zu  haben,  daß  eine  große  deutsche  Kriegsflotte  den
Interessen  des  Deutschen  Reichs  und  der  deutschen  Schiffahrt
nicht  förderlich  sein  würde,  sondern  Beiden  nur  zum  größten  Nachteile ­
  gereichen  könnte.“  Diesen  Worten  fügt  Bergius  folgendes
hinzu:  „Ob  überhaupt  in  künftigen  Kriegen  zwischen  den  christlichen ­
  Staaten  Europas  Kriegsflotten  etwas  entscheiden  werden,
darf  man  bezweifeln.  Im  Orientalischen  Kriege  zerstörte  zwar  die
Russische  Kriegsflotte  die  Türkische.  Eine  Englisch-französische
Flotte  bombardierte  aber  dann  Odessa,  ohne  großen  Schaden  zu
tun;  auch  griffen  die  Westmächte  mit  ihren  Flotten  alle  Küsten
des  Russischen  Reiches  an,  die  ihnen  durch  das  Meer  zugänglich
waren,  allein  sie  richteten  wenig  aus.  In  der  Ostsee  wagte  eine
große  Englische  Flotte  nicht,  Kronstadt  anzugreifen  und  auch  die
Franzosen  hatten  bei  den  Alandsinseln  keine  weiteren  Erfolge,  als
daß  sie  einen  befestigten  Hafen  einnahmen  und  zerstörten.  Bei
Sebastopol  wurde  die  Russische  Flotte  von  den  Russen  selbst  versenkt ­
  und  bei  dem  Bombardement  richteten  die  Flotten  der  Verbündeten ­
  nichts  aus.  Was  sie  überhaupt  in  der  Ostsee,  dem
Asowschen  Meere  und  sonstwo  taten,  nahmen  und  zerstörten,  war
nicht  entscheidend  für  die  Wendung  des  Krieges.  In  dem  Kriege
von  1870/71,  in  dem  das  von  Frankreich  angegriffene  Preußen  sich
zu  verteidigen  hatte,  hat  es  Französische  Handelsschiffe  nicht  genommen. ­
  Auf  die  friedlichen  und  viel  zahlreicheren  Deutschen
Handelsschiffe  zu  fahnden,  auch  Seeräuberei  zu  treiben,  verschmähten ­
  dagegen  die  Französischen  Kriegsschiffe  nicht,  fanden
es  jedoch  mit  Or  und  nicht  geraten,  gegen  die  Deutschen  Küsten
einen  Angriff  zu  wagen.  Aber  auch  unsere  Kriegsflotte,  trotz  ihrer
gewaltigen  und  kostbaren  Panzerschiffe,  haben  die  Franzosen
nirgends  erheblich  geschädigt.“
Im  Deutschen  Reich  betrugen  1872—1914  die  Ausgaben  1 )  für
das  Reichsheer  25918,17  Millionen  Mark
die  Marine  6588,88  „  „
zusammen  32507,01  Millionen  Mark
oder  im  Durchschnitt  des  Jahres  773,98  „  „
Die  Ausgaben  zeigen  folgende  Steigerung:

*)  Erzberger,  Die  Rüstungsausgaben  des  Deutschen  Reiches  (1914).
            
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