Full text: Finanzwissenschaft

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3. Buch. Die Staatsausgaben. 
ungenau erfassen. Gränz abgesehen davon, daß, wie ein Schrift 
steller sagt, der Verlust an Leben sich weder in Geld ausdrücken 
noch in Geld Ersatz und Trost finden läßt 1 ). Foville schätzt 
den Kapitalverlust für jeden gefallenen Soldaten auf 120 £ — 
2400 Mark. Edgeworth berechnet auf dieser Basis für England 
den Verlust in einem Jahre des gegenwärtigen Krieges auf bei 
läufig 300 Mill. ^ — 6 Milliarden Mark. 
Was endlich die Unterbrechung der Produktion, eventuell die 
dauernde Minderung ihrer Leistungsfähigkeit betrifft, so ist auch 
hier die Statistik nicht in der Lage feste Grundlagen zu bieten, 
wenn sich wohl im einzelnen manche Folgen genau fixieren lassen. 
Wenn wir nicht die Kriegskosten, sondern überhaupt die nach 
teiligen Folgen des Kriegs für das Wirtschaftsleben untersuchen 
wollen, dann müßten ja viele andere Momente noch in Betracht 
kommen, so die Zerstörung wichtiger wirtschaftlicher Verbindungen, 
der durch die erhöhte Steuerlast verursachte Druck auf Produk 
tion und Konsumtion, die Verschlechterung der Valuta und deren 
Folgen, die Verluste am Disagio, eventuelle Kosten der Wieder 
herstellung der Valuta, Druck der hohem Kapitalzinsen auf die 
Unternehmertätigkeit usw. *). 
Dies wären im allgemeinen die Kosten des Krieges, auch wenn 
derselbe günstig endet, in welchem Falle natürlich die durch den 
Krieg gewonnenen Vorteile, darunter eventuell Kriegsentschädigung 
in Rechnung zu ziehen sind. Bei einem ungünstig endenden Kriege 
sind dann zu Obigem noch eventuell Kriegsentschädigung, Verlust 
an Land und Volk, an internationalem Gewicht hinzuzurechnen. 
Bei Bestimmung der Kosten des Krieges kann ferner das 
Augenmerk darauf gerichtet sein, wie groß die Kosten sich ge 
stalten, sofern wir dieselben in Geld ausdrücken, oder sofern wir 
dieselben effektiv in geopferten Gütern, in Arbeit und Mühselig 
keit, in verursachten körperlichen und psychischen Leiden aus 
drücken. Natürlich wäre dies letztere das sprechendste Bild, doch 
nicht bloß die Zahl des Statistikers, sondern auch die beredteste 
Feder des Schriftstellers, des Historikers wäre nicht imstande diese 
Aufgabe zu lösen. 
Natürlich sind auf die Höhe der Kriegskosten von maß 
gebendem Einfluß die Kriegsvorbereitung, die Natur der finan- 
’) Edgeworth, The cost of war. (Oxford, London 1915.) 
z ) Eine eingehende Untersuchung über einzelne Posten der Kriegskosten 
s. Spann, Ein Beitrag zur volkswirtschaftlichen Theorie des Krieges und der 
Kriegskosten (Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Bd. 105, November 
1915). Eine erschöpfende Aufzählung ist natürlich fast ausgeschlossen.
	        
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