317 —
‚der des Erblassers und verhältnismäßig kleine Summen
wurden Wohltätigkeits- und Erziehungsanstalten über-
wiesen. Die Dynastie Vanderbilt hatte begonnen.
Die Persönlichkeit des Haupterben
Zu dieser Zeit war William H. Vanderbilt 56 Jahre alt.
Bis 1864 hatte er auf Staten Island als Landwirt gelebt; er
wohnte zuerst in einem kleinen, viereckigen, schmucklosen
zweistöckigen Hause am Meer, das an einer Seite einen Anbau
für eine Küche hatte. Die Erklärung, warum der Sohn eines
Millionärs eine Farm bewirtschaftete, lag darin, daß der
Alte Müßiggang und Luxus verachtete und eine ebenso
große Bewunderung für den Selfmademan hatte. Da
William H, Vanderbilt dies wußte, war er eifrig bestrebt, sei-
nem Vater zu gefallen, stimmte allen seinen Launen und
Wünschen bei und bewies, daß er selbständig existieren
konnte. Er wird geschildert als ein phlegmatischer Mann
von schwerfälligem und langsamem Denken, einem vulgären
Geschmack und großer Liebe für seine Kinder. Sein Vater
(so erzählen die Chroniken) glaubte nicht, daß er „es je zu
etwas bringen würde“, aber durch unendliche Mühen,
indem er von seinen Arbeitern die schwerste Arbeit for-
derte, allerlei unrechtmäßige Gebietserweiterungen vor-
nahm und überhaupt mancherlei Tricke zur Anwendung
brachte, gewann er allmählich das Vertrauen und die Ach-
tung des alten Mannes, dem man durch glückliche Schwin-
delmanöver immer imponieren konnte. Croffut führt eine
Anzahl von Beispielen für Williams Intrigen an und fährt
dann fort: „Von Kind an hatte er sich dem despotischen
Willen seines Vaters bereitwillig. und völlig unterworfen
und hatte grenzenlose Opfer gebracht, seinen Beifall zu er-
ringen. Die meisten Menschen hätten sich trotzig der
drückenden Kontrolle entzogen; er aber dachte zweifellos,
daß er für die Chance, einmal der Erbe von 100 Millionen
Dollar zu werden, wohl in der passiven Haltung eines be-
argwöhnten Prinzen verharren könne.“
Der alte Autokrat änderte schließlich seine verächtliche
Meinung und gab ihm einen Direktorposten bei der New