Das Versailler Diktat hat Deutschland verboten, mehr als die
vorgeschriebene Menge von Kriegsmaterial anzufertigen oder zu be—
sitzen. Die Herstellung dieses Kriegsmaterials ist nicht die größte
Sorge für die Herstellung einer Wehrmacht. Es gibt mannigfache
Wege, Kriegsmaterial in kürzester Zeit zu beschaffen. Fachleute für
Führung und Erziehung besitzt das deutsche Volk in seinem Berufs⸗
heere. Die Ausbildung der wehrhaften Jugend im Waffenhandwerk
ist dem deutschen Volke durch das Versailler Friedensdiktat untersagt.
Der Weltkrieg hat aber bewiesen, daß die wehrhafte Jugend
schnell zum Waffenhandwerk herangebildet werden kann. Wohl stellt
die Ausbildung in den Spezialwaffen hohe Anforderungen an die
soldatische Ausbildung. Diese Schwierigkeit besteht für das deutsche
Volk nicht, weil es über eine ausreichende Zahl technisch geb ildeter
Menschen verfügt. Was aber gerade bei der heutigen Waffenwirkung
und den Formen des modernen Krieges im Vordergrund steht, ist die
fittliche Kraft der Vaterlandsverteidiger. Es ist der Winkelriedgeist
des Opfermutes und des Freiheitswillens. Die Schaffung dieser
sittlichen Kräfte ist das Schwerste und Langwierigste im Aufbau
einer Wehrmacht.
Diese Rüstung kann kein Versailler Diktat verbieten.
Wenn also das deutsche Volk die Notwendigkeit der Pflege seiner
Wehrmacht bejaht, dann muß es alle Kräfte für diesen Teil der
Rüstung einsetzen. Die deutsche Wehrbewegung hat lange genug ge—
glaubt, durch Soldatenspielerei und militärische Geheimbünde der
Pflege der Wehrkraft zu dienen. Ihr wahres Feld der Arbeit ist
aber die geistige und seelische Rüstung der wehrhaften Jugend. Wenn
sie diese Aufgabe erfüllen will, dann muß sie letzten Endes auch die
Sicherung der Wehrhaftigkeit im Neubau eines Staates erblicken,
der wieder die Liebe zum Volke und den Willen der Freiheit in
der ganzen Nation entfesseln kann. Die Erhaltung deutscher Wehr⸗
kraft ist also unzertrennbar verbunden mit der Begründung eines
Staates, für den die Nation gewillt ist, die höchsten Opfer zu bringen
Auch in dieser Frage weist der Freiherr vom Stein der deutschen
Gegenwart den Weg mit seiner Forderung:
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