Full text : Finanzwissenschaft

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4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

sein,  daß  es  den  Veränderungen  in  der  Steuerkraft  gerecht  werde,
dort  schonend,  hier  fordernd  auftrete.  Dies  ist  um  so  notwendiger
als  ja,  wie  wir  an  anderer  Stelle  schon  bemerkten,  die  Bedürfnisse
bei  sinkendem  Einkommen  nicht  sogleich  reduziert  werden  können,
hingegen  bei  steigendem  Einkommen  die  Bedürfnisse  nicht  sogleich
ausgedehnt  werden,  dort  also  die  Abnahme,  hier  die  Zunahme  der
Steuerkraft  eine  potenzierte  ist.  Zu  den  Krankheitsursachen  der
Steuerkräfte  gehören  namentlich  wirtschaftliche  Krisen,  schlechte
Ernten,  Valutaverschlechterung,  Kriege,  politische  Erschütterungen
I  usw.  /  Mit  Rücksicht  auf  die  stetigen  mächtigen  Wellenbewegungen
des  wirtschaftlichen  Lebens,  die  das  Auf-  und  Niedersteigen  der
Steuerkräfte,  deren  Entstehen  und  Vergehen  mächtig  beeinflussen,
ist  es  von  hoher  Wichtigkeit,  daß  die  Steuern  fähig  seien,  die
Aktion  und  Reaktion  dieser  Kräfte  entsprechend  zu  reflektieren.
Einkommensteuern,  Vermögenssteuern,  also  im  allgemeinen  die  Personalsteuern ­
  werden  namentlich  bei  gehörigen  Einrichtungen  diesen
Anforderungen  viel  besser  entsprechen  als  Ertragssteuern,/und  zwar
je  feingegliederter  die  Personalsteuern  sind,  desto  besser.  Auch
wohl  gewählte  Verbrauchssteuern  und  Gebühren  können  diesem
steten  Wandel  der  Steuerkräfte  gut  folgen.  Steuernachlässe  auf
der  einen,  Steuerzuschläge  auf  der  anderen  Seite  müssen  in  gleichem
Sinne  funktionieren.
Dem  ewig  wogenden  Werdegang  und  Untergang  der  menschlichen ­
  Dinge  ist  es  auch  zuzuschreiben,  daß  es  ganz  vergeblich  wäre,
wollte  der  Staat  danach  streben,  die  bestehenden  Steuerkräfte  zu
erhalten.  Im  Gegenteil.  Im  Bewußtsein  dessen,  daß  alle  Steuerkräfte ­
  dem  Untergang  geweiht  sind,  früher  oder  später,  muß  das
Augenmerk  der  Staatslenker  darauf  gerichtet  sein,  für  die  stete
Erneuerung,  die  Entstehung  neuer  Steuerkräfte  zu  sorgen.  Die
Konservierung  der  bestehenden  Steuerkräfte  stößt  auf  eine  Grenze,
mit  der  gerechnet  werden  muß.  Neben  einer  auf  die  mögliche
Erhaltung  der  existierenden  Steuerkräfte  gerichteten  konservativen
Steuerpolitik  muß  also  namentlich  die  progressive  Richtung  der
Steuerpolitik  befördert  werden,  damit  möglichst  viel  neue  Steuerkräfte ­
  entstehen  und  die  Potenzierung  der  bestehenden  Steuerkräfte
gelinge.  Hier  berührt  sich  die  Steuerpolitik  mit  einer  richtigen
Volkswirtschaftspolitik  und  einer  erfolgreichen  Sozialpolitik.
Ein  sehr  wichtiger  Unterschied  hinsichtlich  der  Steuerkräfte
ergibt  sich  aus  der  Tatsache,  daß  ein  Teil  der  Staatsbürger  überwiegend ­
  naturwirtschaftliches  Einkommen  bezieht,  ein  anderer  Teil
geldwirtschaftliches  Einkommen.  Das  Landvolk  ist  bis  zu  einem
gewissen  Grade  —  sagt  Schaffte  —  gewerbesteuer-,  verzehrungs-
            
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