Full text : Finanzwissenschaft

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4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

er  untersucht  nur,  welchen  Wert  10000  Mark  für  jeden  auf  dem
Markt,  im  Verkehr  bedeuten,  höchstens  nimmt  er  einige  hochwichtige,
prägnante  Momente  in  Betracht,  wie  Anzahl  der  Kinder,  Gesundheitszustand, ­
  Zivilstand,  Differenz  von  fundiertem  und  unfundiertem
Einkommen  usw.  Außerdem  gibt  es  aber  auch  viele  Faktoren,  deren
Einfluß  die  Leistungsfähigkeit  erhöht  resp.  vermindert.  Dasselbe
Einkommen  bedeutet  höchst  verschiedene  Steuerfähigkeit,  wenn  in
dem  einen  Fall  aus  demselben  alle  Bedürfnisse  befriedigt  werden
müssen,  in  dem  anderen  die  Bedürfnisbefriedigung  in  natura  unentgeltlich ­
  geschieht,  so  daß  das  Geldeinkommen  vollständig  frei
zur  Verfügung  steht.  Diese  Momente  beeinflussen  auch  die  Verwendung ­
  des  Einkommens,  Konsumtion  und  Kapitalbildung.  Unter
gegebenen  Verhältnissen  wird  derselbe  Betrag  eine  größere  Steuerkraft ­
  repräsentieren,  also  bei  der  Konsumtion  oder  der  Kapitalbildung ­
  sich  kräftiger  geltend  machen,  also  auf  diesem  Wege  eine
größere  Steuerlast  auf  sich  nehmen,  natürlich  immer  vorausgesetzt,
daß  Gegenstände  des  dringendsten  Lebensbedarfes  nicht  besteuert
sind;  würden  ja  sonst  trotz  der  größeren  Steuerlast  die  schwächeren
Steuerkräfte  gezwungen  sein,  auch  einen  großen  Teil  der  Verzehrungssteuern ­
  auf  sich  zu  nehmen.  Andererseits  kann  es  aber  nicht  bezweifelt ­
  werden,  daß  in  dieser  Beziehung,  wie  wir  oben  sahen,  eine
Steuererleichterung  für  die  überlasteten  Steuerkräfte  nur  dann  zu
erreichen  ist,  wenn  sie  einem  gewissen  Verbrauch  oder  Genuß  entsagen ­
  ;  wollen  sie  sich  dem  nicht  anbequemen ,  so  werden  sie
natürlich  gezwungen  sein,  auch  von  den  indirekten  Steuern  einen
entsprechenden  Teil  auf  sich  zu  nehmen  und  die  individualisierende
Wirkung  der  indirekten  Steuer  wird  unterbleiben;  sie  werden  die
Steuer  ebenso  tragen,  wie  die  am  schwersten  belasteten  Steuerkräfte.
Aus  jener  Auffassung,  daß  die  indirekte  Steuer  nur  jenen  Teil  des
Einkommens  in  Anspruch  nehmen  will,  welcher  der  direkten  Steuer
entging,  würde  notwendigerweise  folgen,  daß  sofern  jemand  den
Beweis  erbringen  würde,  daß  er  bei  den  direkten  Steuern  bereits
im  Maße  seiner  Leistungsfähigkeit  besteuert  wurde,  von  der  Verzehrungssteuer ­
  befreit  werden  müßte.
Der  Streit  um  die  Verzehrungssteuer  konnte  deshalb  zu  keinem
Resultate  führen,  denn  die  primäre  Frage  blieb  unbeachtet:  welche
Gegenstände  sind  mit  der  Verzehrungssteuer  belastet  ?  Wenn  die
Verzehrungssteuer  die  Objekte  des  ersten  Lebensbedarfes  belastet,
dann  kann  dieselbe  weder  eine  ausgleichende  noch  eine  individualisierende ­
  Wirkung  haben,  da  diese  Objekte  jeder  sich  verschaffen
muß  und  das  Maß  der  Konsumtion  ist  nicht  immer  bedingt  vom
Einkommen  und  mit  demselben  im  Verhältnis.  Wenn  jedoch  nur
            
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