Full text : Finanzwissenschaft

D.  I.  Abschnitt.  Direkte  und  indirekte  Steuern.

351

die  Einnahme  des  Tabakmonopols  bloß  50000  Grulden,  im  vorhergehenden ­
  Jahre  300000  Gulden;  d)  die  indirekten  Steuern  geben
reichlich  Gelegenheit  zu  Reibungen  zwischen  Staatsbürger  und
Staat;  Schmuggel,  Betrug  einerseits,  Bestechung  von  Beamten
andererseits  sind  an  der  Tagesordnung.  Der  Finanzbeamte  sieht
in  jedem  Staatsbürger  eine  Person,  die  den  Staat  betrügen  will,
muß  also  jeden  demgemäß  behandeln,  fortwährend  verdächtigen,
nachforschen,  spionieren.  Die  Staatsbürger  werden  unerträglichen
Plackereien  ausgesetzt,  so  viele  Formalitäten  müssen  beobachtet
werden,  in  deren  Maschen  ungestraft  sich  zu  bewegen  fast
unmöglich  ist.  Die  Statistik  der  Gesetzesübertretungen  zeigt  deutlich, ­
  welche  demoralisierende  Wirkung  die  indirekte  Steuer  auf  das
Volk  ausübt.
8.  Blicken  wir  auf  unsere  bisherigen  Erörterungen  zurück,  so
kommen  wir  zu  dem  Resultate,  daß  dieselben  für  die  indirekten
Steuern  sich  nicht  so  günstig  gestalten,  als  dies  manche  neuere
Forscher  und  manche  Staatsmänner  glauben  machen  wollen.  Daß
die  indirekten  Steuern  vorläufig  nicht  zu  entbehren  sind,  scheint
auch  mir  unzweifelhaft;  daß  dieselben  dort  von  größerer  Bedeutung
sind,  wo  sich  ein  Antagonismus  gegenüber  den  direkten  Steuern
geltend  macht,  ist  klar.  Daß  aber  dieselben  irgendein  ideales,  vollkommenes ­
  System  der  Besteuerung  bieten  würden,  ist  falsch.
Es  wurden  Versuche  gemacht  zur  Festsetzung  dessen,  in  welchem
Verhältnisse  direkte  und  indirekte  Steuern  in  einem  rationellen
Steuersystem  zueinander  stehen  sollen.  Diese  Versuche  führten
zu  keinem  Resultate,  konnten  dies  auch  nicht,  da  dieses  Verhältnis
von  vielen  wechselnden  Umständen  abhängt.  Selbst  den  Reichtum
des  Volkes  kann  man  nicht  als  alleinigen  Faktor  betrachten,  denn
die  Erfahrung  zeigt,  daß  die  indirekten  Steuern  sowohl  in  reichen
als  in  armen  Staaten  eine  Rolle  spielen.
Das  Aufsteigen  der  Mittelklasse  ist  mit  dem  Bestreben  verbunden, ­
  die  Steuerlast  auf  die  unteren  Klassen  abzuwälzen.  Dies
zeigt  sich  in  hohem  Grade  in  Holland  und  England,  wo  diese
Periode  namentlich  indirekte  Steuern  und  Stempeln  in  Anspruch
nimmt.  In  demokratischen  Gemeinwesen  und  demokratischen  Perioden ­
  sind  in  der  Regel  die  direkten  Steuern  überwiegend,  in
anderen  Staaten  und  Perioden  die  indirekten  Steuern  *).  .Doch  zeigt
sich  auch  eine  Gegentendenz.  Nachdem  die  privilegierten  Klassen
von  den  direkten  Steuern  befreit  wurden,  konnten  sie  nur  durch
indirekte  Steuern  herangezogen  werden.

l )  Seligmann,  Essays  on  taxation  8.  9.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.