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1. Bach. Einleitende Lehren.
Vauban, Boiguillebert ihre Stimme zugunsten eines einfacheren und
gerechteren Steuersystems hören. Die theoretische Basis für ein
solches System hat der Physiokratismus gelegt. Aber auch in
praktischer Beziehung ist das Auftreten dieser Schule von Bedeu
tung, denn ein großer Teil der neuen Ideen, namentlich aber die
Einführung der Grundsteuer, als dem Grundpfeiler des Ertrags
steuersystems, führt auf sie zurück. Die Steuer sollte auf die Steuer
quelle, auf die Steuerkraft bezogen werden und darum wurden die
direkten Steuern gegenüber den indirekten begünstigt. Überhaupt
war eigentlich die Reform des Staatshaushaltes der Zielpunkt ihrer
Bestrebungen und der Anstoß ihrer Forschungen. Namentlich
Turgots Bedeutung liegt vor allem darin, daß er als Finanzminister
Ludwigs XVI. das Steuersystem einer rücksichtslosen Kritik in
höchst scharfen Ausdrücken unterwarf und diese Sprache dem
Könige selbst in den Mund legte, wie ja auch Tocqueville sagt,
„Turgot soll es gewesen sein, der eine solche Sprache dem Könige
in den Mund legte“ 1 ). Die schreienden Mißstände des Steuer
systems des ancien regime führten zu jenen Untersuchungen, aus
welchen die Lehren des Physiokratismus hervorgingen. Seine Haupt
lehre war, daß bloß die Landwirtschaft einen Reinertrag liefere.
Da aber nur der Reinertrag zu den Zwecken der Besteuerung in
Anspruch genommen werden darf und kann, da ferner der Pro
duktionsprozeß selbst durch Besteuerung nicht gestraft werden darf,
so kann nur der Grund und Boden mit Steuern belastet werden.
Aus demselben Grunde sind die indirekten Steuern zu verwerfen,
denn sie stören die Produktion, den Verkehr, die Konsumtion.
Wohl ist die Lehre von der ausschließlichen Wert- und Ertrags
quellennatur von Grund und Boden falsch, aber doch haben die
Physiokraten durch ihre Lehre nach zwei Richtungen hin die Ent
wicklung der Zukunft festgesteckt; einmal, daß nach einem mög
lichst einfachen Steuersystem getrachtet werden muß, dann daß das
Einkommen die einzige Macht zur Befriedigung der Bedürfnisse,
also auch der Staatsbedürfnisse ist.
Die Betonung des innigen Zusammenhanges von Nationalöko
nomie und Staatswirtschaft bildet eigentlich auch einen der Cha
rakterzüge des Werkes von Adam Smith. Doch bleibt Smith nicht
bei der Tatsache stehen, daß der Reichtum der Staatswirtschaft
von dem Wohlstände des Volkes abhängt, sondern er betrachtet die
Staats wirtschaft als eine Funktion der Volkswirtschaft und unter
sucht die Wechselwirkung beider Kreise aufeinander. Und die Be-
i) Das alte Staatswesen. Leipzig 1857. 8. 212.