Full text : Finanzwissenschaft

III.  Abschnitt.  Begriff  und  Geschichte  der  Staatshaushaltslehre.  25

und  gesellschaftlichen,  wirtschaftlichen  und  juristischen  Begriffe
nachwies.  In  dem  Kapitel  „Finanzwissenschaft  und  Sozialismus“
berührt  er  die  brennendste  Frage  der  Gegenwart  und  legt  die  Richtlinien ­
  der  Finanzwissenschaft  mit  Rücksicht  auf  das  Gebiet  der
sozialen  Verwaltung  dar.  Er  hat  auch  auf  den  nationalen  Charakter
der  Staatswissenschaft  in  den  einzelnen  Staaten  Europas  hingewiesen.
Methode  und  Darstellung  mögen  zur  Kritik  berechtigen  —  „ein
Überwuchern  des  Triebes  zum  Systematisieren,  imposanter  Nebel,
welcher  sich  aus  einem  Überflüsse  stattlicher  Worte  auftürmte“
(Gustav  Cohn)  —,  sie  mindern  aber  nicht  die  großen  Verdienste,
die  dieser  Forscher  sich  um  die  tiefere  Erfassung  der  finanziellen
Probleme  erworben  hat.  Trotz  mancher  Irrtümer  steht  er  hoch
über  seinen  Vorgängern  und  gibt  den  Nachfolgern  Ideen  und  Richtlinien ­
  Er  war  es,  der  in  der  Tat  die  Finanzwissenschaft  zu  einer
ebenbürtigen  Schwester  der  anderen  Staatswissenschaften  gemacht
hat.  Auch  Wagner  sagt,  daß  Steins  Werk  weit  die  höchste  Stufe
einnimmt  in  der  gesamten  Literatur  der  Finanzwissenschaft.
Wenn  auch  nicht  von  der  Bedeutung  der  Leistungen  Steins,
haben  doch  auch  die  gründlichen,  groß  angelegten  Werke  Hocks
über  die  Finanzen  Frankreichs,  dann  der  Vereinigten  Staaten  Nordamerikas ­
  an  der  Bereicherung  der  finanzwissenschaftlichen  Literatur
teilgenommen.  Namentlich  die  verwaltungsrechtliche  Seite  fand  bei
diesem  der  Finanzbureaukratie  ungehörigen  Fachmanne  eingehende
Berücksichtigung.  Auch  sein  Werk  „Steuern  und  Abgaben“  hatte
für  seine  Zeit  entschiedene  Bedeutung.
Immer  mehr  werden  auch  die  sozialpolitischen  Momente  in  der
finanzwissenschaftlichen  Literatur  zur  Geltung  gebracht.  Der  sozialethische ­
  Gedanke  fordert  namentlich  in  der  Finanzwissenschaft  zu
einer  Überprüfung.  Die  großen  Ungleichheiten  in  der  Verteilung
des  Einkommens  können  auch  in  der  Finanzwissenschaft  nicht  übersehen ­
  werden.  Neben  der  entsprechenden,  den  Staatszwecken  adäquaten ­
  Güterbeschaffung  soll  auch  die  Gerechtigkeit  in  der  Verteilung ­
  der  Staatslasten  berücksichtigt  werden.  Diese  Strömung
bildet  den  charakteristischen  Zug  der  modernen  Finanzwissenschaft.
Die  gesamten  Begriffe  der  Finanzwissenschaft  werden  nun  einer
Revision  unterzogen.  Umfassende  Arbeiten  bereichern  die  Wissenschaft. ­
  Die  bedeutendsten  Leistungen  knüpfen  sich  an  die  Namen
Schäffle  und  vor  allem  Wagner.  Während  in  den  Werken  Schäffles
mehr  die  Originalität,  die  scharfe  Untersuchung  tatsächlicher  Gestaltungen ­
  und  die  nachdrückliche  Hervorhebung  des  politischen
Leitmotives  des  Finanzwesens,  ist  in  dem  großen  systematischen
Werke  Wagners  die  Gründlichkeit,  Systematik,  stupende  Kenntnis
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.