Full text : Finanzwissenschaft

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4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

Existenzminimum  beträgt  400  Lire.  Der  hier  gemachte  Versuch,
das  aus  verschiedenen  Quellen  stammende  Einkommen  verschieden
zu  besteuern,  ist  höchst  bemerkenswert,  ja  manche  Schriftsteller
sahen  in  demselben  die  höchst  mögliche  Annäherung  an  die  volle
Gerechtigkeit,  die  im  letzten  Jahrhundert  stattfand ;  Yves  Guyot
nennt  die  Steuer  die  allervollkommenste.  Dem  widersprechen  aber
die  mit  der  Steuer  gemachten  Erfahrungen.  Sie  führte  in  ganz
horribler  Weise  zu  Steuerbetrug,  Verheimlichung  des  Einkommens,
was  freilich  hauptsächlich  mit  der  außerordentlichen  Höhe  des
Steuerfußes  zusammenhängt ;  dem  gegenüber  ist  die  differentielle
Besteuerung  der  aus  verschiedenen  Quellen  stammenden  Einkommen
bloß  ein  interessanter  Versuch,  den  jedenfalls  das  Gerechtigkeitsgefühl ­
  und  das  Bestreben  nach  Verwirklichung  der  Gerechtigkeit
hervorrief,  ohne  daß  aber  gesagt  werden  könnte,  daß  derselbe  auf
wissenschaftlicher  Grundlage  beruhe.  Die  italienische  Einkommensteuer ­
  kann  weder  theoretisch  noch  praktisch  als  gelungene  Lösung
betrachtet  werden.
Im  Gegensatz  zu  den  Eroberungen,  die  die  Idee  der  Einkommensteuer ­
  unzweifelhaft  gemacht  hat,  steht  die  Erscheinung  des  ausdauernden, ­
  man  möchte  fast  sagen,  hartnäckigen  Widerstandes,  den
Frankreich  derselben  entgegensetzte.  Seit  hundert  Jahren  steht  das
Problem  der  Einkommensteuer  auf  der  Tagesordnung  und  wird
immer  wieder  abgelehnt,  so  wenig  vermochte  das  französische  Volk
die  Ungerechtigkeiten,  die  Plackereien  vergessen,  welche  die  persönlichen ­
  Steuern  des  ancien  regime  mit  sich  brachten.  Aus  diesem
Gefühl  entwickelte  sich  das  starre  Festhalten  an  das  Ertragssteuersystem, ­
  welches  das  rücksichtslose  Eindringen  in  die  Verhältnisse
des  Einzelnen  vermeidet.  Jeder  Franzose  —  so  heißt  es  —  ist
Patriot  genug,  um  dem  Staate  zu  geben,  was  des  Staates  ist,  doch
verlange  man  nicht  das  Unmögliche,  daß  der  Steuerträger  selbst
seine  Haut  zu  Markte  trage,  sondern  der  Staat  möge  nach  den
Steuerquellen  forschen  und  dementsprechend  seine  Steuern  eintreiben. ­
  Diese  Auffassung  der  breiten  Schichten  der  Bevölkerung,
die  in  ihrer  Mehrzahl  aus  kleinen  Bourgeois  und  kleinen  Bauern
besteht,  die  sehr  empfindlich  sind,  machte  die  Einführung  der  Einkommensteuer ­
  trotz  vielfacher  Versuche  unmöglich.  Alle  hierauf
abzielenden  Gesetzesvorschläge  und  Anträge  —  deren  Zahl  ziemlich
groß  —  werden  abgelehnt.  So  im  Jahre  1848  (Berichterstatter
Parieu),  der  Passy’sche  Vorschlag  von  1849,  der  Antrag  von  Saint-Beuve
  1851,  von  Casimir-Perier  1871,  von  Gambetta  1876,  der  Gesetzesvorschlag ­
  des  Ministers  Dauphin  1887,  des  Ministers  Peytral
1888,  des  Ministers  Doumer  1896,  von  Rouvier  1904,  des  Ministers.
            
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