F. II. Abschnitt. Steuern auf unentbehrliche Lebensmittel. 491
Die Salzsteuer begegnet uns schon in älteren Perioden der
Geschichte. In Ungarn bildete das Salz schon früh Gegenstand
des Regale. Dies beweist die goldene Bulle (1222). Unter König
Mathias Corvinus gaben die Salzbergwerke ein Siebentel der ge
samten Staatseinnahmen. Die Salzsteuer erweckte zu allen Zeiten
großes Mißtrauen, ja Erbitterung, selbst Revolutionen sind auf die
selbe zurückzuführen. Besonders bedrückend war die Salzsteuer
„gabelle“ in Frankreich vor der Revolution, wo dieselbe in vielen
Gegenden wie eine Kopfsteuer ausgeworfen wurde und jeder ver
pflichtet war, im Verhältnis zur Zahl der Familienglieder ein ge
wisses Quantum Salz zu kaufen. Dazu kamen noch unerträgliche
Plackereien. „Man sieht täglich — sagt Taine 1 ) - wie Leute, die
kein Brot haben, gepfändet und exequiert werden, weil sie kein
Salz kaufen. . . . Von den obligaten 7 Pfund darf kein Körnchen
zu anderen Zwecken verwendet werden, als zum Kochen und bei
Tische. Sollte jemand von dem für die Suppe bestimmten Salz
einen Teil zum Einsalzen eines für den Winter geschlachteten
Schweines verwenden, würde ihm das Schwein konfisziert und er
zu einem Pönale von 300 Franks verurteilt werden. . . . Auch ist
es bei einem Pönale von 20—40 Franks verboten, aus dem Meere
oder aus Salzquellen Wasser zu schöpfen. Sodann ist es versagt,
das Vieh an salzhaltigen Orten trinken zu lassen. . . . Man muß das
natürliche Salz, das sich in mehreren Kantonen der Provence bildet,
jedes Jahr zerstören. . . . Findet der Salzkontrolleur, daß das Salz
zu gut ist, so erklärt er es für geschmuggelt, weil das offizielle
gewöhnlich schlecht und mit Schutt gemengt ist. 1- Diese Schilderung
der Zustände vor der Revolution bedürfen keines Kommentars.
Trotzdem hält Leroy-Beaulieu die Salzsteuer für berechtigter, als
die Besteuerung der geistigen Getränke. 2 )
Die Salzsteuer kommt namentlich in drei Formen vor: a) als
Produktionssteuer, in welchem Falle die Produktion frei ist und die
Besteuerung bei der Produktion geschieht, wie in Deutschland,
Frankreich: b) als Zoll in jenen Staaten, wo das Salz nicht pro
duziert wird, wie in Dänemark, Norwegen, Spanien, Portugal, Nord
amerika; c) als Monopol. Das Salzmonopol besteht in einer ganzen
Reihe von Staaten, so Österreich, Ungarn, Serbien, Rumänien,
Griechenland, Türkei, Italien, Schweiz, Britisch-Ostindien, China.
Das Monopol erleichtert der Umstand, daß die Produktion einfach
und nicht kostspielig ist, so daß der Betrieb auch staatlich durch-
*) Das vorrevolutionäre Frankreich, 8. 367 u. f.
q Traite de la science des finances, I. Bd., S. 668.