9 Großmann, Laffatte
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Um drei Uhr erschienen General Bethlen, Graf
Kayserlingk und Dr. Arndt in meiner Wohnung. Ich
versuchte ein Arrangement zu bewerkstelligen. Die
Gegenpartei bestand auf folgenden Bedingungen: Ab
bitte seitens Lassalles und Rückgabe der Briese deS
Fräulein von DoennigeS.
Dies nmßten wir zurückweisen. Da ich aber doch die
Hoffnung auf eine gütliche Beilegung nicht aufgeben
wollte, veranlaßte ich, daß eine nochmalige Zusammen
kunft bei mir auf abends acht Uhr festgesetzt wurde.
Hierauf wurde der Modus des Duelles für den Fall,
daß es stattfinden sollte, festgesetzt. Die Gegner bestanden
auf gezogenen Pistolen, wir auf glatten, und unser Vor
schlag ging auch durch. Ich wußte aber, daß glatte
Pistolen schwer zu haben waren, daß in ganz Genf bloß
ein gutes Paar existierte.
In das Viktoria-Hotel zurückgekehrt, bat ich Lassalle,
sich etwas einzuschießen, und gab ihm einen Ort an, wo
er Gelegenheit habe. Er erklärte das aber für „dummes
Zeug". Wie ich nachträglich erfuhr, war Herr von
Racowitza anderer Ansicht; wenigstens hieß cs allgemein
in Genf, er habe an diesem Nachmittag auf den: Schützen
stand hundertfünfzig Ubungsschüsse abgefeuert.
Um drei Uhr war zweite Zusammenkunft in meiner
Wohnung. Alle Versuche, zu einem Arrangement zu
gelangen, blieben fruchtlos. Die Gegenpartei beharrte
auf ihren Forderungen, die nicht bloß ich, sondern
General-Vethlen für unzulässig hielt. Ich war indigniert
über die Forderung. Lassalle, der so tief gekränkte,
sollte abbitten! Das Duell wurde nun auf den 28.
morgens festgesetzt.