H. Das Steuerwesen der Staatenverbände.
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Lastenverteilung, wie sie heute zwischen den einzelnen Gliedern in
jedem Staate vor sich geht, das Ideal der Gerechtigkeit verwirk
licht? Die Finanzwissenschaft ist bis zum heutigen Tage nicht
dahin gelangt, das richtige Maß der Leistungsfähigkeit des Einzelnen
zu finden. Und wenn die Wissenschaft heute das Einkommen als
sichersten Maßstab betrachtet, so bemächtigt sich unser, sobald wir
dies Prinzip zur Anwendung bringen, eine Leihe von Bedenken,
sobald wir erkennen, daß das gleiche Einkommen in dem einen
Falle eine viele größere Leistungsfähigkeit bedeutet, als in dem
anderen. Noch schwieriger gestaltet sich natürlich die Frage, sobald
wir es mit ganzen Staaten zu tun haben. Auch die Geschichte beweist
es, daß man sich immer mit sehr rohen Maßstäben begnügen mußte.
Auf die Frage der genauesten Schlüssel haben übrigens ver
schiedene Umstände Einfluß. So ob die durch Matrikularbeiträge
zu deckenden Beträge überhaupt groß oder geringfügig sind, ob
der Schlüssel de facto praktische Anwendung findet oder nur
wenig praktische Bedeutung hat, ob er auch bei Verteilung von
Einkommen Anwendung findet usw. Verteilungsschlüssel finden
wir in Deutschland, in Österreich und Ungarn, in den Kantonen
der Schweiz, in den Provinzen des ehemaligen Hollands, im Ver
hältnisse zwischen England und Irland, vormals zwischen Schweden
und Norwegen, zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein, Olden
burg, Lübeck und Birkenfeld *) usw. Fast alle der vorkommenden
*) Siehe hierüber, wie über die ganze Frage Feldes: Über Matrikular- und
Quotenbeiträge, mit besonderer Rücksicht auf den österr.-ungarischen Quoten
streit. Zugleich ein Beitrag zum internationalen Finanzwesen und zur Messung
des Volkswohlstandes (Schanz, Finanzarchiv XVII. Jhrg., I. Bd.); ferner meine
Referate als Referent der ungarischen Quotendeputation 1906—1909. Das älteste
Beispiel der Quote finden wir in der niederländischen Republik, wo die Beiträge
gleichfalls den Namen Quoten trugen. Die Republik hatte ihre eigenen Einnahmen,
dieselben waren aber zur Deckung der Ausgaben nicht genügend. Das Fehlende
hatten die Provinzen beizutragen und zwar Holland 57 i, / 8 0 / 0 , Friesland 11 Vs 0 /».
Zeeland 9 Vs °/o usw. Die Berechnung war eine ziemlich willkürliche auf Grund
des materiellen Wohlstandes. Es galt die Ansicht, daß Holland das meiste zu
zahlen hätte, oft auch statt der anderen Provinzen. Außerordentlich lehrreich
ist das Verhältnis zwischen Großbritannien und Irland. Nach der Union wurde
die Beitragsquote mit 1:7 '/s resp. 2:15 festgesetzt, obwohl in Wirklichkeit
nach dem materiellen Wohlstand das Verhältnis 1:29 sein müßte. Die Klagen
hörten auch nach der Verallgemeinerung des Steuersystems nicht auf und öftere
Enqueten konnten dem Übel nicht abhelfen. Daß von mathematischer Genauig
keit bei Festsetzung des Schlüssels nicht die Rede sein kann, kam allgemein
zum Ausdruck und alle Berechnungsarten wurden einer eingehenden Kritik
unterworfen. Die Frage konnte nicht gelöst werden und tauchte immer von
neuem auf. In der Schweiz sollte die sogenannte Geldskala auf Grund der Be
völkerung und der Vermögens- und Erwerbsverhältnisse festgesetzt werden und
alle zwanzig Jahre revidiert werden. Doch kam man zu der Überzeugung, daß
es leichter ist, die alte Skala zu belassen, als eine neue durchzusetzen. Übrigens
haben die Beiträge keine praktische Bedeutung, da die Schweiz aus den Bundes-