Full text : Finanzwissenschaft

I.  Abschnitt.  Allgemeine  Lehren.

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der  Staatskredit  besaß,  namentlich  in  der  ersten  Periode,  dies
werden  uns  einige  Beispiele  aus  der  Geschichte  klar  machen.
Der  ungarische  König  Wladislaus  II.  nahm  zur  Bückzahlung
der  Mitgift  der  Königin  Beatrix,  Witwe  des  Königs  Mathias  Hunyady,
  eine  Schuld  von  200000  Gulden  auf,  wogegen  er  die  Festung
Altsohl  und  sieben  ungarische  Bergstädte  zum  Pfande  gab  (Wenzel,
Die  Fugger  8.  19).  —  Im  Jahre  1505  verpfändet  die  Königin
Anna  an  Thurzö  für  einen  mit  Berlen  und  Edelsteinen  geschmückten
Hut  im  Werte  von  3500  Gulden  den  siebenbürgischen  Zwanzigsten
und  die  Einnahme  der  Nagyszebener  (Hermannstädter)  Münze.
(Ebendaselbst  8.  22.)  König  Ferdinand  I.  verpfändet  an  Fugger
für  eine  Schuld  die  Einnahme  der  Siebenbürger  Salzkammer.
Im  Jahre  1691  verpfändete  die  Hofkammer  ohne  Befragen  der
ungarischen  Stände  die  ungarische  Kupfer-  und  Quecksilberausfuhr
an  holländische  Kaufleute  für  folgende  Darlehen:  im  Jahre  1691
300000  Taler,  1700  900000  Taler,  1703  7  000000  holländische
Gulden  (Gazdasägtörteneti  szemle,  Wirtschaftshistorische  Revue, -
1899,  8.  352).  Einen  besonderen  Rekord  erreichte  Kaiser  und
König  Sigismund  in  Anbetracht  der  Pfandschulden 1 ).
Die  Staatsanleihen  wurden  oft  zu  Lasten  von  Privaten,  ja
selbst  Ämtern  aufgenommen.  So  erzählt  Pech  (Geschichte  des
unterungarischen  Bergbaues,  II.  Bd.,  8.  410),  daß  die  Schemnitzer
Kammeralbeamten  bei  Aufnahme  der  Kammeranlehen  oft  ihr  eigenes
Privatvermögen  verpfändeten.  Weitere  interessante  Angaben  über  die
Anfänge  des  ungarischen  Staatskredites  siehe  Schwartner,  Statistik
n.  Bd.,  8.  447.
Diese  Daten,  die  leicht  mi*  vielen  ähnlichen  zu  ergänzen  wären,
zeigen  deutlich,  daß  im  Anfang  die  Staatsschulden  zumeist  Schulden
des  Fürsten  waren  und  zunächst  Pfandkredite,  Sachkredite  bildeten. ­
  Eine  der  ältesten  Formen  des  Staatskredites  war  das  italienische ­
  Monte:  gewisse  Summen  wurden  auf  die  Bürger  ausgeworfen ­
  in  der  Weise,  daß  dieselben  im  Monte  aufgezeichnet  und
damit  Staatsgjäubiger  wurden,  die  Anspruch  auf  Zinsen,  und  zwar
oft  sehr  hohe,  hatten.  Die  Unentwickeltheit  des  Kredits  im  allgemeinen, ­
  das  primitive  Wesen  der  Sta^tswirtschaft  erklären  es,  daß
auch  der  Staatskredit  primitive  Formen  annahm  und  zunächst  unter
drückenden  Bedingungen  zustande  kam.  Der  Papst  Innonenz  VIII.
war  in  so  großer  Geldbedrängnis,  daß  er  die  päpstliche  Tiara  verpfänden ­
  mußte.  Einer  der  oströmischen  Kaiser  mußte  die  angeb-*)

  Nuglisch,  Das  Finanzwesen  des  Deutschen  Reiches  unter  Kaiser  Sigismund ­
  (Jahrbücher  für  Nationalökonomie  und  Statistik,  III.  Folge,  Bd.  21).
            
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