Full text : Finanzwissenschaft

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5.  Buch.  Der  Staatskredit.

Es  kommt  namentlich  auf  die  Vorteile  an,  welche  den  Staatsgläubigern ­
  geboten  werden.  Dies  lehrt  auch  der  Weltkrieg.  Die
Vorteile,  welche  geboten  wurden,  und  sonstige  Verfügungen,  waren
namentlich  folgende:  1.  Billige  Lombardierung  bei  der  Notenbank;
2.  Annahme  an  Zahlungs  Statt  bei  Anlehen,  Steuern  usw.;  3.  Begünstigungen ­
  bei  der  Einkommensteuer,  Steuerfreiheit;  4.  Bevorzugung ­
  bei  Ankauf  von  Kriegsmaterial  bei  der  Sachdemobilisation;
5.  Einzahlung  mit  den  Titres  älterer  Anlehen;  6.  Verbot  der  Placierung ­
  von  Ersparnissen  in  anderen  Titres;  7.  Verbot  des  Verkaufs
der  Titres;  8.  Beschränkung  der  Kreditbewilligung  der  Banken
durch  obligatorische  staatliche  Genehmigung;  9.  Hintanhaltung  von
Kursverlusten  usw.  Auf  letzteres  wurde  große  Aufmerksamkeit
verwendet,  insbesondere  in  Deutschland  und  England.  Bei  dem  sogenannten ­
  Victory  loan  wurde  monatlich  ] /s  Prozent  der  Anleihe
zur  Vermeidung  eines  Kursfalles  zurückgelegt.
Die  speziellen  Verhältnisse  der  einzelnen  Staaten,  wie  die  verschiedenen ­
  politischen  Verhältnisse  haben  natürlich  einen  weitgehenden ­
  Einfluß  auf  das  Kriegsschuldenwesen  ausgeübt.  In  Frankreich
hat  man  lange  nicht  den  Weg  der  Anlehen  beschritten,  weil  man,
solange  das  Moratorium  währte,  einen  Mißerfolg  befürchtete,  da
die  Spareinlagen  nicht  zur  Verfügung  standen.  In  England  hat
man  vermieden,  Appoints  unter  100  £  zu  emittieren,  um  die
kleinen  Zeichner  auszuschließen,  weil  man  die  Sparkassen  nicht
dem  Run  der  Einleger  aussetzen  wollte,  da  England  das  Moratorium ­
  vermied.  Auch  wollte  man  nicht,  daß  die  Einlagen  aus  der
Postsparkasse,  wo  der  Staat  bloß  2  Vs  Prozent  zahlte,  herausgenommen ­
  werden,  und  ihm  zu  4  Prozent  und  mehr  angeboten  werden
sollen.  Frankreich  hat  überdies  in  hohem  Maße  den  Kredit  der
Notenbank  in  Anspruch  genommen  und  hat  das  Maximum  des
Notenumlaufes,  das  vor  dem  Kriege  6  Milliarden  betrug,  auf
30  Milliarden  erhöht.  Auch  England  hat  sich  vor  allem  des  kurzfristigen ­
  Kredites  bedient  und  ging  nur  widerstrebend  zu  konsolidierten ­
  Anlehen  über.  Bald  stellte  sich  die  Notwendigkeit  ein,  im
Auslande  Darlehen  aufzunehmen  und  Bedingungen  zu  akzeptieren,
die  früher  wohl  für  unmöglich  gehalten  worden  wären.  Dagegen
hat  England  die  Notenbank  geschont  und  den  Umlauf  der  fiduziaren ­
  Geldzeichen  nicht  übermäßig  gesteigert.  Deutschland  und
seine  Verbündeten,  Österreich-Ungarn  haben  infolge  der  günstigen
Kriegslage  hauptsächlich  aus  konsolidierten  Anlehen  geschöpft.  Aber
in  allen  Staaten  war  in  einzelnen  Phasen  des  Krieges  der  Kredit
nur  mit  der  größten  Anstrengung  in  Bewegung  zu  setzen.  Wir
resümieren  kurz  einige  wichtigere  Erfahrungen  des  Staatskredites.
            
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