64 2. Buch. Die verfassungsmäßige Ordnung des Staatshaushaltes u. das Budget.
in Anspruch. Oft wurden gewisse Ausgaben gleich auf die Steuer
repartiert, so in Schweden, wo die Bauern auf diese Wbise die
Kosten für die Militärverpflegung erhielten. Neben den Etats
(Spezialbudgets) der einzelnen Verwaltungszweige hat die Zentral
kasse ihre eigene Bilanz, die sich aus den Einnahmen und Ausgaben
der einzelnen Verwaltungszweige, dann aus den Steuern und Schulden
ergab. Mit dem Aufleben des parlamentarischen Regimes und der
Zentralisation der Staatstätigkeiten ergab sich die Notwendigkeit,
daß das Budget ein getreuer Spiegel des ganzen Staatshaushaltes,
ein einheitliches Bild desselben sei. Dies wird nur durch das Brutto
budget erreicht, wo die gesamten Einnahmen ohne jegliche Abzüge
und° ebenso die gesamten Ausgaben ohne alle Abzüge eingestellt
werden. Mit dem Gedanken der Einheit des Staates „mußten auch
die Ausgabe und Einnahme ohne Unterschied ihrer etatsmäßigen
Verwendungen und Quellen als eine Einheit auch in der Auffassung
der Staatsrechnung erscheinen, und damit bildete sich von selbst
das verfassungsmäßige Prinzip der einheitlichen Bilanz, nach welchem
kein Verwaltungszweig mehr ein Recht auf eine Ausgabe und Ein
nahme für sich mit eigener wirtschaftlicher Bilanz hat, sondern alle
Ausgaben Ausgaben des einheitlichen Staatsbudgets sind und alle
Einnahmen als Einnahmen des letzteren anerkannt und verrechnet
werden“ (Stein) 1 ). Folge dieses Prinzipes, daß die einzelnen Ver-
waltungsweige wohl Einnahmen haben können, aber über dieselbe
nicht verfügen. Nur aus dem Bruttobudget ersehen wir den ganzen
Umfang des Staatshaushaltes; nur aus einem solchen Budget er
kennen wir, wie groß derzeiten die Lasten sind, die die Staatsbürger
tragen; nur aus einem solchen Budget erkennen wir, ob eine Ein
nahmequelle nicht zu große Gestehungskosten verursacht, was dann
zur Folge haben sollte, daß eine solche Einnahmequelle überhaupt
abandonniert werde, da es ja gewiß unzweckmäßig ist, sagen wir, die
Staatsbürger mit einer Last von 10 Millionen Mark zu bedrücken,
wenn infolge der Kosten von diesem durch die Staatsbürger ge
brachten Opfer nur eine Million in die Staatskasse fließt und zur
Deckung der Staatsbedürfnisse zur Verfügung steht. Als eine in
direkte Folge des Bruttosystems können wir auch den Umstand
betrachten, daß, während beim Nettobudget gewissermaßen die Ein
nahmen auch zur eventuell leichtfertigen Verausgabung führen, beim
Bruttobudget die Einnahme nicht in den Ausgaben verschwindet.
Es braucht nicht bemerkt zu werden, daß das Bruttobudget auch
den Vorteil hat, daß daraus das Nettobudget ohne Schwierigkeit
*) Lehrbuch der Finanz Wissenschaft. 5. Ausl. 1. Bd. 8. 219.