Full text: Finanzwissenschaft

Vorrede. 
Finanzwissenschaft und Finanzpolitik sind an einem Wende 
punkt angelangt. Es ist unmöglich, der Wahrnehmung aus dem 
Wege zu gehen, daß die kolossalen Kriegslasten neue Richtungen 
einzuschlagen zwingen, soll der Staat seinen Verpflichtungen ent 
sprechen können. Schon jetzt lassen sich gewisse Linien entdecken, 
die den Gang der Entwicklung vorzeichnen. Es ist in der letzten 
Periode der europäischen Staaten gelungen, einigen wichtigen prin 
zipiellen Forderungen auf dem Gebiete des Steuerwesens Geltung 
zu verschaffen. Wir sind darauf vorbereitet, daß man diesen Prin 
zipien nicht mit der alten Orthodoxie wird Folge leisten. Die 
Interessen der Staatsfinanzen werden in erster Reihe maßgebend 
sein, Postulate der Volkswirtschaft und der Sozialpolitik werden 
sich schwer Anerkennung verschaffen. Die Finanzminister werden 
nur ein Gebot kennen: den Staatsschatz zu füllen. Ist dies in 
schonender Weise möglich, dann schonend, ist dies aber nicht mög 
lich, dann schonungslos. Wenn möglich, mit Beachtung der volks 
wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen Anforderungen, im Notfälle 
aber auch mit Verleugnung derselben. Daß dem so ist, illustriert 
am besten das Vorgehen Englands, das in gewisser Beziehung früher 
das Vorbild für die Anerkennung der sozialpolitischen Postulate 
war. England hat im Kriege den Steuerfuß der Einkommensteuer 
in exorbitanter Weise erhöht, die Progression außerordentlich ver 
schärft, dagegen auch das steuerfreie Existenzminimum herabgesetzt 
und hat auch eine Reihe neuer Verbrauchssteuern eingeführt. Es 
wird mit Steuerfüßen gearbeitet, die den Staat eigentlich zum 
Gesellschafter machen. Die Besteuerung der Produktion, die Be 
schränkung der wirtschaftlichen Freiheit, der Eingriff in die Ver 
mögensrechte sind ebenso viele Beweise dafür, daß die Finanzpolitik 
k 
ich 
' 
. 
Jt 
sA
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.