Full text : Der deutsche Zollverein

während  der  Verhandlungen  in  Stuttgart  für  den  Zutritt  Nassaus
vorstellig  geworden.  Freilich  hatte  er  bei  dein  Herzog  Wilhelm
keine  Gegenliebe  gefunden,  und  die  Art,  wie  man  sich  gegenseitig
abfertigte,  ist  zu  charakteristisch  für  die  damalige  Auffassung  solcher ­
  Dinge,  um  nicht  wiedergegeben  zu  werden:  „Niemals",  so
hatte  Herzog  Wilhelm  in  berechtigtem  Stolze  aus  seine  nassauische
Souveränität  ausgerufen,  „niemals  werde  ich  mir  von  Euch  in
meinem  Lande  Gesetze  vorschreiben  lassen.  Meine  300000  Untertanen ­
  sind  mir  gerade  so  lieb,  wie  Euch  Eure  3  Millionen.  Ich
brauche  Euch  nicht!"  Hierauf  hatte  der  Aronprinz  mit  ebenso  herzlicher ­
  Überzeugung  geantwortet:  „Wir  brauchen  Euch  auch  nicht!"
Die  Initiative  ergriff  aber  doch  wieder  Württemberg,
nachdem  es  schon  beim  Ausgange  der  Stuttgarter  Verhandlungen
Bayern  die  Wahl  einer  Zollvereinigung  oder  eines  Handelsvertrages ­
  gestellt  hatte,  bislang  aber  ohne  Bescheid  geblieben  war.
Es  geschah  die  Wiederanknüpsung  im  Dezember  1826  durch  ein
hochsinniges  Schreiben  des  Aönigs  Wilhelm  von  Württemberg
an  seinen  bayrischen  Nachbar,  in  dem  er  die  Wiederaufnahme
der  Verhandlungen  zun:  Zwecke  der  Stiftung  eines  bayrifchwürttembergischen
  Zollvereins  vorschlug.  Aönig  Ludwig  ging
sofort  daraus  ein,  und  aus  seine  Einladung  erschien  alsbald  ein
württembergischer  Bevollmächtigter  in  München,  mit  dein  noch  im
Januar  1827  die  Verhandlungen  eröffnet  wurden.  Württemberg
erklärte,  daßzwar  derWunsch  einer  weiter  reichenden  Vereinigung  Süddeutschlands ­
  noch  immer  aufrecht  zu  erhalten,  aber  freilich  augenblicklich ­
  nicht  zu  verwirklichen  sei;  daß  man  sich  also  mit  einer
engeren  Verständigung  begnügen  müsse,  und  daß  seine  Regierung
sowohl  zu  einem  Handelsvertrag,  als  zu  einem  Zollverein  mit
Annahme  des  bayrischen  Tarifs,  natürlich  unter  den  für  Württemberg ­
  notwendigen  Änderungen,  bereit  fei.
Die  bayrische  Regierung  erklärte  sich  für  einen  Zollverein.
Unter  solchen  günstigen  Vorbedingungen  konnte  es  nicht  fehlen,
daß  der  Abschluß  bald  zustande  kam.  Schon  am  \2.  April  wurden ­
  die  Präliminarien  unterzeichnet.  Sie  enthielten  als  Haupt-20


            
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