L256 VII. Abjchnitt: Einzelne Shuldverhältniffe.
wurde abgelehnt (X. IL 413). Der Gafjtwirt und der Schadensftifter haften
dem ®aijte al3Z Gejamt{hHuldner (S 421; f. aud $ 255). .
8 Eine BerOHränkung der Haftung hinkichtlich gewilfer befonderS wertvoller Gegen-
jtände beftimmt S 702.
Y. Nehtagrund der Haftung des Gaftwirts ift nicht, wie nach römifchem Rechte,
ein Quafidelift al. 83 Inst. IV, 5), Jondern der zwifhen Gajtwirt und Gaft ausdrücklich
oder Hillichweigend abgefhloffene Aufnahmebertrag; einen befonderen Berwahrungss
vertrag Hinfichtlih der eingebrachten Sachen zen, eridheint nicht erforderlich
"ebenjo Langen S. 27 ff, 62 ff, ROR. Komm. Bem. 2, Urt, d. DLG. München vom
7. November 1905 Seuff, Arch. Bd. 61 Nr. 174). Die mehrfach vertretene Yurffafflung,
8 handle io im S 701 nicht um eine bertragsmäßige, jondern_ um eine gefehliche, an
die bloße Tatfache der A gefnüpfte Obligation fo DVertmann Borbem. 3, C,
Dernburg S 353, VI, Fifjher-Henle Note 3, Crome S. 752, Scholmeyer S, 137 ff., Ende“
mann I 8 186 Biff. 1, Wenns S. 24), Jüe zu dem unannehmbaren Ergebniffe, daß die
jtrenge Den aus 8 701 auch bei Gefhäftsunfähigkfeit des Gafte8 oder des Gaftwirts
zintritt, obwohl für den leßteren aus dem nichtigen Bertrage keinerlei Rechte ermacdhfen.
Nach Bland Bem. 2, a, « fol allerding3 Kein Vertrag, aber eine dem VBorfchriften
über U e unterliegende Recht8handlung vorliegen; der gefhäftSunfähige Oait
Toll die Anfprücdhe aus $ 701 geltend zu machen berechtigt fein, der gefchäftsunfähige @alt-
wirt dagegen: nicht der ftrengen Haftung aus 8 701 unterliegen, eine Inkonjequenz, die
IOwerlich zu rechtfertigen fein dürfte. Die eigenartige Anficht von Sturm S. 18 ff, der
Saft mühe in der Gaftwirtfchaft denfelben Schuß finden wie daheim (Ahnlih OO
S. 501; 1. auch Dernburg $ 353, D hat mit Recht in der neueren Theorie wenig Un“
Hang gefunden.
VL Ausfjhluß der Haftung. Die Haftung des Gaftwirts kommt in Wegfall:
. ‚A. wenn und foweit dies zwijden Saltwirt und Salt (ausdrücklich oder ftill-
nn vereinbart worden it MM. II, 587, D. 86; f. aber & 276 Abf. 2). Bur
ermeidung von Streitigkeiten erflärt jedoch S 701 Abf. 3 einen Unfchlag, durch den
ber Gaftwirt feine Haftung ausfchließt oder weiter alS nach Maßgabe des S 701 Abi. 1, 2
befhränkt, für wirkungsS108 (val. für das frühere Recht DL, f. NA. Bd. 17 S. 193 ff.
Bd. 29 S. 458). Nicht ausgefchlolfen it, daß der Gaftwirt den Saft nur unter der
Bedingung des Ausfchluffes feiner Haftung aufnimmt; eine Derartige Vereinbarung
dürfte regelmäßig anzunehmen fein, wenn der Gaftwirt dem Saft auf den feine Haftung
au3jchlieBenden Anfchlag auzdrüclih aufmerkfam macht und der Gajt ohne Widerfprud
daß Bimmer behält Wland Bem. 3, d; f. auch SGoldmann-Lilienthal S. 723 Anm. 23).
3, Die Erfaßpfliht des Gaftwirt3 tritt jerner fraft Gejebes nicht ein:
a) wenn der Schaden von dem Saite felbit vder einem feiner Begleiter
oder einer vom Saite bei fih aufgenommenen Berfon verurfacht wird.
a) Begleiter ijt jede mit dem S®afte zugleich aufgenommene Berfon,
mit der ein feloftändiger Nufnahmebvertrag nicht abgefchloften morben
ift (Familienangehörige, Bedienftete, Vfleger); val. Goldmann-Lilien-
tbal S. 722 Anm. 16.
AB vom SGafte hei fig aufgendmmen kann nur eine
Denim erachtet werden, die der Saft auf feine Beranlafiung und ohne
utun des Wirtes bei fihH empfängt, aljo 3. B. eine vom SGalte mit“
gebrachte Dirne, nicht aber 3. B. ein Fremdenführer oder Barbier,
der fih auf Empfehlung des Wirtes bei dem Gafte vorftellt, oder
An anderer Gaft, den der Wirt wegen Ueberfüllung des Hotels mit
Buftimmung de8 erften Salte8 nachträglich in beiten Bimmer ein“
En (vgl. biezu insbe]. Langen S. 99 Unm. 6).
Die Haftung des SGaftwirt3 tit fchon danır ausgefhloffen, wenn der
Schaden durch eine der in S 701 Ubi. 1 Sa 2 genannten Berfonen
derurfacht worden ift; ob diefe Perfonen hiebei ein Berihukden
trifft oder nicht, fommt nicht in Betracht (WM. IT, 586 ff.)
Dat bei der Entitehung des Schadens ein Verfchulden der im
8 701 Hbf. 1 Sab 2 bezeichneten Perfonen mitgewirkt, fo finden
bie Beftimmungen de8 & 254 Anwendung val. €. I 8 626 Wof. 2, 3,
IN. I, 587, 3. VI, 265, 478, %. 11, 403 ff, RTN, 90 ff). Zu vers
gleichen {ft hiebet das Verhalten diefer Perfonen nicht mit dem des
dritten Schädiger8, fondern mit der objektiven Betriebagefahr des
Balthaufes (fo zutreffend Yertmann Bem. 5, a). Ein Verfchulden des
Saite8 kann nicht unter allen Umftänden fchon darin erblidt werden,
daß er fein Zimmer verlaffen hat, ohne das Fenfter zu Ichließen und
die Türe abzulverren (Urt. d. DL. Stettin vom 6. März 1903 Kiyr.
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