Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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angelegen  sein  lassen,  den  G-eist  der  Subordination  und  des  Respektes
aufrechtzuerhalten.
Dieses  System  wird  überall  in  der  Industrie  Elberfelds  angewandt: ­
  die  Arbeiterfamilien  besitzen  gewöhnlich  eine  Kuh  oder
wenigstens  eine  Milchziege.  Sie  sind  durch  Gewohnheit  berechtigt,
diese  Tiere  längs  der  Wege  an  den  Einfriedigungen  des  bebauten
Bodens  und  am  Waldrande  grasen  zu  lassen.  Die  Familie  holt  sich
umsonst  das  dürre  Holz,  das  Gesträuch  und  das  Heidekraut  zum
häuslichen  Verbrauch.  Sie  findet  immer  zu  mäßigem  Preise  Pachtland, ­
  wenn  sie  nicht  schon  eigenen  Boden  für  den  Kartoffelbau  erworben ­
  hat.  Der  Eigentümer  einer  jeden  Fabrik  trägt  selbst  zu
den  Kosten  bei,  die  Schule  und  Gesundheitspflege  verursachen.  Er
macht  den  jungen  Arbeitern  die  nötigen  Vorschüsse  zu  ihrer  Einrichtung; ­
  diese  Vorschüsse  sind  hier  allemal  mit  einem  jährlichen
Zins  von  3  %  belastet,  während  sie  in  den  sozialen  Systemen  des
Orients  umsonst  gegeben  werden.  Die  Fabrikbesitzer  ergänzen  gewöhnlich ­
  dieses  Patronagesystem,  indem  sie  durch  ihren  Rat  den
Spartrieb  wecken,  indem  sie  in  Fällen  höherer  Gewalt  den  Familien,
die  noch  kein  Reservekapital  gesammelt  haben,  hilfreiche  Hand
leisten,  indem  sie  endlich  allen  gegen  minimalen  Pachtzins  und  als
dauernde  Subvention  eine  anständige  Wohnung  und  Gemüsegarten
sichern.
Diese  Gewohnheiten  der  Patronage  gehen  zurück  auf  Gefühle,
die  die  alte  ländliche  Verfassung  der  sächsischen  Ebene  entwickelt
hat.  Ob  die  Elberfelder  Fabrikanten  ihr  treu  bleiben  und  trotzdem
an  den  Errungenschaften  der  modernen  Industrie  teilnehmen  können?
§  21.  Über  die  Anzeichen  von  Zerrüttung,  welche
sich  in  der  sozialen  Verfassung  der  sächsischen  Ebene
bei  den  Kohlenbergwerken  derRuhr  um  das  Jahr  1855
zeigen. 1 )  Im  unteren  Ruhrtale  streichen  zahlreiche  Kohlenflöze
zutage,  in  einer  Länge  von  25  km,  besonders  zwischen  Essen,  Werden
und  Mülheim.  Im  Westen  dieses  Gebietes,  bis  zum  Rhein,  ist  die
Kohlenformation  von  einer  schwachen  Alluvialschicht  bedeckt.  Im
Osten  von  Essen  verschwindet  sie  unter  jüngere  Schichten  und  erstreckt ­
  sich  wahrscheinlich  bis  Osnabrück.  Der  Teil  des  Kohlengebietes, ­
  der  zwischen  Essen  und  dem  Rhein  liegt,  ist  20000  ha
groß.  Der  Teil  östlich  von  Essen  umfaßt  dagegen  60000  ha.  In

*)  Vgl.  Mer  jetzt  Ehrenberg,  Die  Frühzeit  der  Krupp’scheu  Arbeiterschaft
(Archiv  III,  7  ff.).
            
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