Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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Die  Methode  der  Monographie,  so  fährt  er  fort,  zeigt  deutlich  die  Unveränderlichkeit ­
  der  beiden  Grundelemente  (göttliches  Gebot,  väterliche  Gewalt)
und  ebenso  die  Anpassung  der  fünf  variablen  Elemente  an  die  Verhältnisse
des  Ortes  und  der  Zeit  ....  Was  jene  ersten  beiden  Elemente  betrifft,
so  sind  die  sorgsamsten  Beobachter  überzeugt,  daß  eine  einzige  Monographie ­
  genügt,  die  monatelang  in  ländlicher  Umgehung  bei  einem  gedeihenden ­
  Volke  aufgenommen  ist,  unter  einfachen  oder  unter  komplizierten
Verhältnissen.  Hinsichtlich  der  5  variablen  Elemente  haben  dieselben  Beobachter ­
  es  für  angemessen  erachtet,  ihre  Studien  auf  mehrere  Berufsarten  und
auf  verschiedene  Bangstufen  dieser  Berufsarten  auszudehnen.  Aber  durch
Vergleich  von  drei  oder  vier  Monographien  haben  sie  immer  festgestellt,  daß
die  Fortsetzung  dieser  Untersuchungen  zu  keinem  neuen  Ergebnis  führen
würde.  In  der  Übereinstimmung  und  Allgemeinheit  einer  kleinen  Zahl  von
Monographien  beruht  die  Einfachheit  und  demgemäß  die  praktische  Nutzbarkeit
der  Methode').
In  der  von  Le  Play’s  Schüler  Fo  eil  Ion  später  verfaßten,  von
dem  Meister  genehmigten  Instruktion  für  die  Aufnahme  von  Monographien ­
  sind  für  die  richtige  Auswahl  der  Familien  noch  speziellere
Anweisungen  gegeben,  welche  zeigen,  daß  diese  Auswahl  doch  nicht
so  leicht  war,  wie  es  nach  den  eben  wiedergegebenen  allgemeinen
Anschauungen  den  Anschein  haben  könnte.  Es  heißt  dort  z.  B.:
man  muß  eine  Durchschnittsfamilie  wählen,  jedenfalls  eine  Familie,
die  aus  der  Gegend  stammt  und  nicht  erst  zugewandert  ist;  sie  soll
mittlere  Existenz-Bedingungen  zeigen,  also  weder  nach  oben  noch
nach  unten  in  ihrer  materiellen  wie  moralischen  Lage  wesentliche
Besonderheiten  enthalten.  Vor  allem  soll  es  eine  richtige  Familie
sein,  die  aus  zwei  Eltern  und  mehreren  Kindern  besteht.  Auch  die
Zahl  der  Kinder  muß  dem  allgemeinen  Durchschnitt  einigermaßen
entsprechen.  Sehr  wichtig  ist,  daß  die  Familie  sich  gern  zur  Beobachtung ­
  hergibt.  Den  Zutritt  zur  Familie  erlangt  man  in  Gegenden, ­
  wo  der  soziale  Friede  herrscht,  durch  den  „Patron“  des  Arbeiters, ­
  sonst  durch  Vermittlung  einflußreicher  und  Vertrauen  erweckender ­
  Persönlichkeiten.
Das  sind  einige  der  Richtlinien,  die  Le  Play  seinen  Schülern
für  die  Aufnahme  von  Familien-Monographien  mitgegeben  hat.  Inwieweit ­
  sie  genügten,  wird  sich  später  ergeben.
Die  Monographie.  1.  Das  Schema.  Die  Masse  der  Tatsachen,
die  Le  Play  von  jeder  einzelnen  Familie  zu  erfahren  für  wichtig
hielt,  mußte  geordnet  werden,  wenn  er  sie  verwerten  wollte.  Zu
dem  Zwecke  war  ein  Schema  erforderlich:

*)  0.  E.  I,  218.

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