Full text : Die schweizerische Seiden-Industrie mit besonderer Berücksichtigung der mechanischen Seidenstoffweberei

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Uebergang  vom  Handbetrieb  zum  mechanischen  Betrieb  61

Wohl  konnte  mit  dieser  Stuhlart  ein  brauchbares  Resultat
für  schwere  und  dichte  Gewebe,  wie  sie  England  damals
brauchte,  erzielt  werden,  sie  eigneten  sich  aber  desto  weniger
für  unsere  leichten,  gangbaren  Artikel.  Die  erste  mechanische ­
  Seidenweberei  mit  Oberschlägern,  eigener  Konstruktion, ­
  wurde  1857  in  Talwil  dem  Betriebe  übergeben  und
zwar  betrifft  dies  die  heutige  Firma  Heer  &  Co. 1 )  1860
finden  wir  die  Installierung  eines  kleinen  mechanischen
Webereibetriebes  in  Stadelhofen,  am  Anfang  der  Mühlebachstraße ­
  durch  Herrn  H.  Brunner,  jetzige  Firma  Siber  &  Wehrli.
Neben  der  Initiative  tatkräftiger  Fabrikanten  wurde  die
Lösung  des  Problems  auch  von  Konstrukteuren  aufgegriffen.
Die  für  die  Ausbreitung  der  mechanischen  Seidenweberei
bahnbrechenden  Versuche  der  Zürcher  Weberei  gestalteten
sich  recht  schwierig,  namentlich  deshalb,  weil  Zürich  auf
den  Stühlen  seine  leichten  Zürcher  Artikel  hersteilen  wollte.
Trotz  Verwendung  besserer  und  gröberer  Qualitäten,  wie
chargierter  Seiden,  konnten  die  auf  dem  mechanischen
Stuhl  hergestellten  Seidenstoffe  noch  bei  weitem  keinen
Vergleich  mit  den  von  Hand  gewobenen  aushalten.  Die
Stoffe  waren  in  Bezug  auf  Qualität  der  Arbeit,  als  auch
hinsichtlich  Decke,  Glanz  und  Griff  stark  hinter  der  Handarbeit ­
  zurück.  Dies  entmutigte  die  Fabrikanten  und  Konstrukteure ­
  keineswegs.  Unter  den  Webereileitern  wie  Webermeistern ­
  fanden  sie  gute  Mitarbeiter,  die  sie  auf  die  Mängel
des  Stuhles  aufmerksam  machten  und  nicht  selten  auf  die
Mittel  zu  deren  Beseitigung  hinwiesen.  Speziell  mußte  die
Arbeitsweise  des  Stuhles  dem  feinen,  zarten  Material  anzupassen ­
  versucht  werden,  was  dank  den  vereinten,  zähen
Bemühungen  auch  nach  und  nach  gelang.  Gleich  zu
Beginn  der  sechziger  Jahre  des  verflossenen  Jahrhunderts
entstunden  weitere  mechanische  Stoffwebereien.  So  wurde
die  mechanische  Seidenstoffweberei  Adliswil  im  Sihltal  im

')  Der  Betrieb  war  mit  50  Stühlen  eingerichtet  und  zwar  für  Rohgewebe, ­
  die  nachher  bedruckt  wurden.
            
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