Full text : München als Industriestadt

76

Schaufensterdekoration,  endlich  in  der  gesamten  kirchlichen
Kunst.  Es  darf  in  dieser  Verbindung  vielleicht  erwähnt  werden,
daß  das  bekannte  deutsche  Theater  in  seiner  Innenausstattung
und  Wanddekoration  fast  vollständig  aus  Plastoidmaterial  besteht. ­

Diese  junge  Münchener  Industrie,  die  wohl  erkannt  hat,
daß  dem  Publikum  von  zeitgenössischer,  künstlerischer  Reliefkunst ­
  viel  zu  wenig  gediegene  Arbeit  geboten  wird,  hat  sich
die  Aufgabe  gestellt  diese  Lücke  dadurch  auszufüllen,  daß  sie
mit  den  ortsansässigen  großen  Künstlern  vertragsmäßige  Abmachungen ­
  über  Lieferung  geeigneter  Modelle  einging.
Hohen  volkswirtschaftlichen  Wert  gewinnt  das,  Unternehmen ­
  dadurch,  daß  es  an  der  Ausbildung  gemeinsamer  künstlerischer ­
  Bedürfnisse  in  Bezug  auf  das  Wohnhaus  und  dessen
Einrichtung,  die  durch  die  beschränkte  Stellung  des  Einzelnen
und  den  geringen  Wohlstand  der  mittleren  und  sozial  tiefer
stehenden  Volksklassen  gehindert  sind,  tatkräftig  mitarbeitet.  Es
will  versuchen  auch  auf  billigem  Wege  eine  künstlerische  Gestaltung ­
  der  bis  jetzt  weder  praktisch  noch  sanitär  günstigen
Form  des  Zinshauses,  des  festen  Wohnungstypus  der  Großstädte ­
  herbeizuführen.  Was  diese  Aufgabe  wesentlich  erleichtert, ­
  ist  ein  besonderer  Vorzug  der  Industrie,  welcher  darin  besteht, ­
  daß  die  hergestellten  Erzeugnisse  nur  sehr  geringes  Gewicht ­
  aufweisen  und  deshalb  ohne  allzu  große  Erhöhung  der
Transportkosten  einen  Versand  auf  große  Entfernungen  hin
zulassen,  wodurch  der  Absatz  sich  über  den  ganzen  Kontinent
auszudehnen  vermochte.
In  dem  Vorstehenden  haben  wir  schon  angedeutet,  daß
die  Plastoidindustrie,  so  sehr  sie  auch  anfangs  konsumiert
gewesen  sein  mag,  doch  wesentlich  ihren  Standort  in  München
hat,  weil  neben  dem  Vorhandensein  der  Künstler  und  Münchens ­
  Ruf  als  Kunstmetropole  hier  der  optimale  Arbeitsmarkt
für  sie  da  ist:  sie  gehört  heute  zu  den  arbeitsorientierten ­
  Industrien.  München  mit  seinen  zahlreichen  Kunstschulen
und  Ateliers  besitzt  stets  die  hier  in  Betracht  kommenden
Arbeitskräfte  in  genügender  Anzahl,  als  daß  es  einmal  an
einem  Angebot  von  wirklich  tüchtigen  Kräften  für  das  genannte ­
  Unternehmen  fehlte.  Die  Industrie  benötigt  auch  nur
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.