Full text : Die oberschlesische Kohlen- u. Eisenindustrie

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Vergleichsweise  überwindet  die  Oder  von  Kosel,  wo  sie  für
größere  Kähne  schiffbar  wird,  bis  Stettin,  ihrer  Mündung  ins
Haff,  auf  675  Kilometer  164  Meter  Gefälle,  dagegen  die  Elbe
in  der  entsprechenden  Strecke  von  Melnik  bis  Hamburg  auf
842  Kilometer  nur  152  Meter  und  der  Rhein  von  Kehl  bis  Mr
Mündung  auf  742  Kilometer  gar  nur  135  Meter  Gefälle.
Diese  natürlichen  Mißverhältnisse  haben  in  Verbindung
mit  anderen  Schwierigkeiten  seit  jeher  einer  geregelten  Großschiffahrt ­
  auf  dem  Oderstrom  schwere  Hindernisse  in  den  Weg
gestellt  und  künstliche  Verbesserungen  unbedingt  nötig  gemacht.
Der  aufstrebende  Breslauer  Handel  war  bereits  im  14.
Jahrhundert  eifrig  bemüht,  den  Strom  fahrbar  zu  machen,  doch
fehlten  größere  Geldmittel  zur  erfolgreichen  Durchführung  der
Arbeiten').  Mit  der  Besitzergreifung  Schlesiens  durch  Friedrich
d.  Gr.  brach  auch  für  die  Oderschiffahrt  eine  neue  Zeit  an.  Der
König  ließ  nach  den  Kriegen  bedeutende  Bauten  an  dem  verwilderten ­
  Strom  vornehmen^),  insbesondere  Krümmungen  durchstechen ­
  und  Windungen  geradelegen,  die  hemmenden  Mühlenwehre ­
  beseitigen  oder  durch  Schleusen  umgehen,  Deiche  errichten,
Baumstümpfe  und  sonstige  Hindernisse  im  Strombett  entfernen
und  die  allgemeine  Fahrwassertiefe  durch  Verengung  des  Laufes
erhöhen.  Diese  Arbeiten  wurden  jedoch  zu  flüchtig  vorgenommen
und  brachten  vor  allem  den  neuen  Nachteil  des  zu  raschen  Abfließens
  der  Wasser  und  in  Verbindung  damit  der  gefährlichen
Strömung  mit  sich.  Deshalb  auch  hatte  der  in  dieser  Zeit  gebaute ­
  Klodnitzkanal,  der  Oberschlestens  Industrie  mit  dem  Jnlande
  vor  allem  Breslau,  Berlin  und  Stettin  günstig  verbinden
sollte,  nicht  die  erhoffte  Wirkung.
Obgleich  nach  den  napoleonischen  Kriegsjahren  weitere
Stromverbesserungen  von  der  Regierung  vorgenommen  wurden"), ­
  besonders  durch  Buhnenbauten  den  Lauf  zu  besänftigen
und  die  noch  immer  vorhandenen  zahlreichen  Untiefen  zu  beseitigen, ­
  blieb  die  Oderschiffahrt  auch  ferner  häufigen  Störungen
durch  zu  geringe  Fahrwassertiefe  ausgesetzt.  Auch  war  der  Strom
bis  Beuthen  noch  von  Mühlenwehren  gesperrt,  von  denen  nur

1)  W.  Tietze,  S.  14  ss.  K.  Schroth,  S.  30  ff.
2)  W.  Tietze,  S.  21  ff.
3)  W.  Tietze,  S.  25  ff.
            
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