Full text: Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

129 
fuß Gehalt hatten. Von den Sammelbehältern wurde die Sole je nach Bedarf 
an die Siedehäuser abgegeben. Zur Befeuerung der Siedepfannen benutzte man 
sowohl Tannenholz, wie Steinkohlen. Das Tannenholz wurde auf dem Kocher 
durch die Flößerei bezogen, während die Anfuhr der Steinkohlen aus dem Saar- 
gebiet erfolgte. In den vorausgegangenen Jahren hatte man die Saarkohle zn 
24—26 fr. pro Zentner bezogen, um 1855 stellte sich jedoch der Saarkohlen 
preis auf 61 kr. der Zentner frei Verwendungsstelle Friedrichshall. Von den 
aus dem Saargebiet stammenden Heinitz-Grubenkohlen setzte man 15 Zentner 
— 1 Klafter Holz. Die Klafter Tannenholz hatte nach dem Spezialetat um 
diese Zeit einen Preis von 6,12 fl. Als Produktionsergebnis stellte man beim 
Gebrauch der Holzfeuerung in Friedrichshall folgendes fest. Es ergab in den 
alten Siedehäusern eine Klafter Tannenholz 34 Zentner gesottenes Salz. Da 
diese produzierte Salzmenge gegenüber dem Holzaufwand nicht befriedigte, eine 
Erscheinung, die auf die veralteten Siedeeinrichtungen zurückzuführen war, so 
hatte man sich in den Vorjahren zur Errichtung eines neuen Siedehauses ent 
schlossen. Dieses Siedehaus No. 2, das fast neuerbaut werden mußte, da selbst 
die Umfassungsmauern des alten, für den Neubau benutzten Siedehauses neu 
hergestellt werden mußten, hatte 30 000 fl. Kosten verursacht. Allerdings lie 
ferten auch die hier. geschaffenen neuen Siedeeinrichtungen wirtschaftlich wesentlich 
günstigere Resultate. So ergab hier 1 Klafter Tannenholz 45 Zentner fein 
körniges Kochsalz und 50 Zentner grobkörniges Kochsalz. Die letzten großen 
Betriebsverbesserungen hatte man in den 1840er Jahren vorgenommen. Nach 
dem Haupt-Finanz-Etat von 1842/45 war für die Wiederherstellung und ver 
besserte Einrichtung des Siedehauses No. 3 eine Bausumme von 62 792 Gulden 
ausgeworfen worden Z. Ein Betrag, dessen Höhe in der württ. Kammer der 
Abgeordneten als unerfreulich und unerwünscht kritisiert wurde. Dennoch be 
willigte die Kamnier die für notwendig erachteten Mittel. Es dürfte erwünscht 
sein, eine etwas eingehendere Beschreibung der technischen Anlagen der kgl. Sa 
line Friedrichshall zu besitzen. 
Im Folgenden soll daher der technische Stand der kgl. Saline Friedrichs 
hall zur Darstellung kommen, wie sich derselbe im Jahre 1875 dokumentiertes. 
Der Sudhüttenbetrieb umfaßte in dieser Zeit 4 Sudhäuser, welche die No. 2, 
3, 4 und 5 führten. Die Erzeugung erstreckte sich ausschließlich auf Blauksalz, 
von welchem das grobkörnige den ausgedehntesten Anteil hatte. 
In dem Sudhaus No. 2 befanden sich 2 Sudpfannen und 2 Dampfpfan 
nen im Betrieb. In den Sudpfannen erfolgte die Herstellung sogenannten Land 
salzes, d. i. feineres Kochsalz, welches von der Sudpfanne nach 12stündiger 
Siedezeit abgeräumt wurde. In den Dampfpfannen dagegen wurde grobkörniges 
Salz erzeugt, das nach 96stündiger Siedezeit abgeräumt wurde. Jede Pfanne 
besaß 2 Roste, von welchen jeder Rost 4 Fuß lang und 3 Fuß breit war. Die 
Entfernung vom Pfanncnboden betrug 4 bis 5 Fuß. Die Roste besaßen eine 
rückwärts verlaufende schwache Ansteigung von 4 bis 5 Zoll. Die Maße der 
Austrittsöfsnung der Flamme unter der Pfanne vom Rost angefangen zeigten 
3 Fuß Breite und 14 Fuß Höhe. Die Gasausströmungsöffnung in die Vor 
wärmepfannen betrug 3 Zoll Breite und 18 Zoll Höhe; mährend die Oeffnung 
! l Lerhandlungen d. württ. Kammer d. Abg. Jahr 1855. II. Beil.-Bd. S. 263. 
2) Oesterreichische Zeitschrift für Berg-und Hüttenwesen. Jahrgang 1875. S. 422. 
R eiitntitn, Salzbergbau und Salinenwesen in Württemberg. 9
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.