fünf Achtel, höchstens drei Viertel seiner Einnahmen aus!), im-
stande war, einen weit ausgedehnten Kredit zu geben, ist ja be-
greiflich; schon zu Zeiten Cromwells hatten die Niederlande
Geld zu 4% bekommen, während Cromwell es zu 6 und die
ihm nachfolgende Königliche Regierung nur zu 6—8 % erhielt?).
Dies Verhältnis hat sich auch später nicht wesentlich verändert;
und unsere frühere, auf Vollständigkeit keinen Anspruch er-
hebende Darstellung lehrt, in welchem ungeheueren Umfange
holländisches Kapital ins Ausland zu Anlagezwecken geflossen ist,
auch wenn ein Teil dieser Anleihen mit englischem Gelde bestritten
sein mag. Schließlich war aber doch, wie Gogel richtig bemerkte,
diese Rentenwirtschaft verderblich und am Ende ihrer Leistungs-
fähigkeit oder ihres Leistungswillens. Wenn noch 1802 ein Amster-
damer Handlungshaus dem Kaiser die Zinsen seiner Anleihen,
700 000 fl., vorstreckte®), so war das gewiß ein Zeichen des Ver-
trauens in den Schuldner; aber eine nationale Finanzwirtschaft, die
einem unzuverlässigen Schuldner die Zinsen für unsichere und über-
schuldete Kapitalien vorschoß, war es nicht; ebensowenig war es
das, wenn 1807 das Amsterdamer Bankhaus Braunsberg
mit dem König von Sachsen über I 400 000 fl. abschloß gegen
Verpfändung von Juwelen und Perlen*). Daß die noch vorhandenen
Kapitalisten — und ihre Reihe war, wie wir sahen, gar nicht so
gering — im allgemeinen sich jetzt gegen auswärtige Anlagen vor-
sichtiger verhielten, darf man wohl als feststehend annehmen.
Auch wandelte sich bald die Szene dahin, daß nun die Holländer
Schuldner wurden und oft nicht gerade die sichersten. Über einen
Betrag von ı 175 238 fl., den um 1807 die Staaten von Holland
dem Hause Rothschild schuldeten, wahrscheinlich schon von
1788 her, kam es zu keinem Vergleich; die Schuldforderung wurde
später mit den anderen Staatsschulden auf ein Drittel herabgesetzt®).
Eine Anleihe von 3 Mill. fl., die 1809 die Amsterdamer Bankiers
Teyler van Hall und Wils auf Grund der Harzer Berg-
nn ı) Manger, S. 61.
2) Japikse, Verwikkelingen, S. 463. Im „Interest van Holland“ (1662),
S. ı3, wurde es als ein großer Vorteil für das holländische Geschäft hingestellt,
daß man hier Geld zu 3%, ja 3% erhalten könne.
3) Colenbrander, Gedenkstukken, IV, S. ıı.
‘4 L. van Nierop, De 100 hoegst aangeslag. etc., S. 37.
5) Berghoeffer, S. 89, 164; Anm. 165.
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