216 IV. Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker,
des Mittelalters; die Jahrmärkte (und teilweise auch die Wochen-
märkte)!) mit ihrem interlokalen Austausch bilden einen sehr
wichtigen Bestandteil desselben.
Schon mehrere Jahre vor dem Erscheinen von Büchers
Vorträgen hat Stieda über das hansische Gewerbe eine Be-
merkung gemacht?), die danach aussieht, als wolle er zu dessen
neuer Theorie eine Ergänzung liefern: „Während für gewöhn-
lich der Handwerker Kundenarbeit, d. h. auf Bestellung, liefert,
war in der Böt cherei die Arbeit auf Vorrat und Verkauf an
den Kaufmann üblich geworden ... Und nicht nur der Kauf-
mann vermittelte diesen Handel, auch der wohlhabendere Bött-
chermeister betrieb ihn und beschäftigte seine minder gut situierten
Mitmeister." Der gewaltige Umfang des hansischen Härings-
handels brachte diese Verhältnisse hervor. In den Stadtver-
waltungen versuchte man zwar, im Gegensat hierzu die Idee
des sstadtwirtschaftlichen Handwerks zur Geltung zu bringen.
Allein es haben, wie es scheint, alle Gegenmaßregeln das Übel
nicht beseitigt. Zum Ärger der wendischen Städte wurden auch
in Pommern Tonnen für die Verpackung der Häringe hergestellt,
sogar auf dem Lande, in Höfen und Dörfern?). Um noch ein
geringeres Beispiel hier anzureihen, so gab es in Lübeck ein
blühendes Gewerbe der Hutmacherei; man fertigte Hüte nach
Londoner Muster an. Die Lübecker Hutmacher ssträubten sich
gegen die Einfuhr von Hüten aus Flandern und überhaupt
den Verkauf fremder Hüte (der also doch vorkam), betrieben
jedoch ihre Industrie so eifrig, daß Hüte aus Lübeck nach Riga
gingen®). Doch indem wir Beispiele aus hansischen Städten
berühren, begeben wir uns auf ein kontroverses Gebiet. Es
ist von einer Seite (Schanz) bestritten worden, daß die hansischen
Städte eine regelmäßig für die Ausfuhr tätige Industrie besaßen,
1) Vgl. z. B. Techen, Hansische Beschichtsblätter 1897. S. 64 ff.
2) Hansische Geschichtsblätter 1886, S. 112.
3) Stieda S. 116 f.
4) Stieda, Zeitschr. f. Lüb. Gesch. 6 (1892), 201. ~ Mitunter be-
günstigt die Stadtverwaltung selbst den Export: Hansgifche Geschichts-
blätter 1897, S. 35 (Lüneburger Riemenschläger).