Germanisation der Lande zwischen Elbe und Oder. 345
hinriß, glaubten die bedächtigeren Sachsen der religiösen Strö—
mung der Zeit durch eine Kriegsreise gegen die heidnischen
Wenden genügend nachzukommen, und sie erhielten hierfür die
Zustimmung des Papstes. Ahnlich dachten die Dänen und die
Polen und Mähren; die Dänen in der gleichen Absicht elb—
slawischer Eroberungen, wie die Sachsen, die Polen mit
Plänen gegen Pommern und Preußen.
In der That gelang es, die Massen für den nordischen
Kreuzzugsgedanken in Bewegung zu setzen. Besonders aber
nahmen die Fürsten teil, auf deutscher Seite allen voran die
beiden Nebenbuhler Albrecht der Bär und Heinrich der Löwe,
jetzt der Vertreter seines Hauses in Sachsen. Schon die ent—
gegenstehenden Absichten der beteiligten Völker ließen bedeutende
Ergebnisse der Fahrt schwerlich voraussehen. In der That kam
es wohl zu weiten Zügen bis gen Pommerland und Preußenland,
sie hatten aber keine weitere Folge, als die furchtbarste Verwüstung
und Entvölkerung des Landes — wodurch sie allerdings der
nun beginnenden deutschen Besiedelung Vorschub leisteten —
und erweckten die gereizte Gegenwirkung der heidnischen
Slawen. Schon vor dem Einmarsch der Deutschen hatte der
abodritische Knes Niklot, der Stammvater des heutigen mecklen—
burgischen Hauses, die nördlichen Elbgegenden mit Feuer und
Schwert überzogen; nach dem Kreuzzuge wurden die Dänen
zur Freude der Sachsen durch unablässigen Piratenkrieg seitens
der Slawen in Schrecken gesetzt.
Für die Entwickelung der Nordmark Albrechts aber war es
weit wichtiger, daß kurz darauf, im Jahre 1150, Pribislaw-Heinrich
von Brandenburg starb. Drei Tage lang verheimlichte seine
Gemahlin Petrissa den Tod des Gatten, deutsch-christlich gesinnt,
bis Markgraf Albrecht herbeieilte und mit bewaffneter Hand
von Brandenburg Besitz nahm. Bestritten ward die neue Herr⸗
schaft nur noch einmal im Zusammenhang mit dem großen
Polenzug Kaiser Friedrichs J. von Jahre 1157. Wie dieser
eine erstmalige Ablösung Schlesiens vom polnischen Reiche zur
Folge hatte, so scheint er mittelbar zur Auflösung eines kleinen