er in einer kurzen Nachricht ein paar Millionen Pfund
Sterling verlangte, konnte er gewiß sein, daß sie ohne
Verzögerung zur Stelle waren. Diese englischen Häuser
waren genau so froh, sich an einem Unternehmen, das
Morgan organisierte, beteiligen zu können, wie die
amerikanischen Mitglieder seiner Konsortien, und ge-
nau so wenig stellten sie die Zweckmäßigkeit seiner
Pläne in Zweifel.
Zwischen John Pierpont Morgan und seinem Vater
ließen sich viele interessante Vergleiche ziehen. So
waren zum Beispiel seine Kunstliebe und sein Sammel-
eifer unmittelbare Erbschaft von Junius Spencer Mor-
gan. In Morgans Bibliothek in New York hing ein
außerordentlich gutgetroffenes Porträt seines Vaters,
das eine sehr interessante Geschichte hatte.
Anfang der achtziger Jahre kam ein armer junger
Amerikaner in die berühmte Kunsthandlung Agnew
& Co. in London und fragte nach Sir William Agnew.
Sir William war nicht anwesend, so fragte der Ver-
käufer den Mann, was er von ihm wünsche. Der
Amerikaner sagte, er heiße Bragard und bat den Ver-
käufer, ihm einen Schilling zu leihen.
„Warum sollte ich Ihnen einen Schilling geben?“
fragte dieser.
„Weil ich Künstler bin‘, antwortete Bragard, „und
ich glaube, Ihre Firma hat genügend Geld aus den
Werken von uns Künstlern gemacht, genügend jeden-
falls, um meine Bitte erfüllen zu können.“
Der Verkäufer meinte, es sei doch noch zweifel-
haft, ob der andere überhaupt wirklich ein Künstler
sei. Darauf bat Bragard um einen Bleistift. Er begann
dann ein Porträt, das an der Wand hing, zu kopieren,
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Margdan
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