fullscreen: Gesellschaftslehre

Der Instinkt des Selbstgefühles. 
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hält sich für etwas Anderes und Besseres denn die Masse und sieht auf 
diese herab. Während der Eitle die große Menge braucht, um sich durch 
ihre Bekundungen fortwährend seines Wertes zu vergewissern, braucht 
der Stolze sie nur als einen dem Werte nach nichtigen, aber für den Ver- 
gleich unentbehrlichen Hintergrund. Es darf diese Kennzeichnung je- 
doch nicht dahin verstanden werden, als ob der stolze Mensch nach seinem 
Wesen ein autonomer Mensch wäre. Typischerweise wird auch von ihm 
eine umgebende Gruppe anerkannt als Richter über seinen Wert, sei es 
seine Familie oder Standesgenossen oder Kameraden. Nur ist hier der 
Kreis der Maßgebenden viel kleiner, nämlich beschränkt auf den engeren 
Kreis, mit dem er in Lebensgemeinschaft steht, also auf denjenigen Kreis, 
dem ursprünglich allgemein die Funktion zufällt, das Selbstgefühl durch 
sein Urteil zu bestimmen. 
Das Auftreten des Stolzes und das Vorhandensein erheblicher ge- 
sellschaftlicher Unterschiede steht nach dem Gesagten in enger Bezie- 
hung zueinander. Das Bewußtsein der Distanz kann nicht willkürlich ge- 
schaffen werden, sondern bedarf geeigneter objektiver Grundlagen; und 
diese sind nicht überall vorhanden. Auf der Stufe der genossenschaft- 
lichen Verhältnisse besteht wesentliche, wenn auch nicht uneingeschränkte, 
Gleichheit des Ansehens und der Macht zwischen den verschiedenen Per- 
sonen und Teilgruppen. Hier werden wir den Stolz nur in geringem 
Maße entwickelt zu finden erwarten. Erst die herrschaftliche Organi- 
sation mit ihrem Klassencharakter, mit ihren exklusiven Teilgruppen und 
privilegierten Positionen gibt den geeigneten Nährboden für ihn ab. Man 
braucht nur an die maßlose Geringschägung zu denken, mit der vielfach 
die unteren Schichten behandelt werden. Offenbar hat umgekehrt der 
Stolz seinerseits auch vielfach verstärkend auf diesen Klassencharakter 
eingewirkt. — Man darf selbstverständlich in dem Stolz nicht die 
einzige mögliche Haltung des gesellschaftlich Bevorzugten erblicken: viel- 
mehr ist bekanntlich das, was man als echte Vornehmheit bezeichnet, 
mit ihm unverträglich; denn diese legtere kennt keinen Vergleich. 
Eine weitere Unterscheidung verschiedener Typen des Selbstgefühles 
ergibt sich aus dem Verhältnis, in dem die das Selbstgefühl begründenden 
Tatbestände zu der Person seines Trägers stehen. Entweder können diese 
Tatbestände nämlich eineneigenen Wert oder sie können einen über- 
strahlenden fremden Wert bedeuten. Der Grund des Selbst- 
gefühles kann nämlich liegen entweder in der eignen Sphäre des Selbst- 
bewußten selber, in seinem oder seiner Sphäre Wesen oder Eigen- 
schaften, oder in irgendwelchen Tatsachen außerhalb seiner Person, mit 
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