die handelspolitische Lage der Wollindustrie eine grundlegende
Veränderung erfuhr. Konnte früher das Hauptgewicht auf die Versorgung
des Inlandsmarktes gelegt werden, so war die Brünner Wollindustrie nunmehr
gezwungen, so rasch als möglich auf dem Weltmarkte in erfolgreichen Wettbewerb
zu treten, um auch nur einen Teil ihrer Betriebsmittel beschäftigen zu
können.
Nach der Anschauung der tschechoslowakischen Regierung sollte die Umstellung
der tschechoslowakischen Textilindustrie auf die Friedens -
erzeugung und ihre Anpassung an die neuen Verhältnisse unter maßgebender
Einflußnahme der Staatsverwaltung erfolgen. Die gebundene Wirtschaft
wurde daher zunächst aufrechterhalten und der Versuch gemacht, in den einzelnen
Zweigen der Textilindustrie besondere Organisationen zu schaffen, welche
unter Aufsicht der Regierung die Beschaffung und planmäßige Aufteilung der
Rohstoffe auf die verschiedenen Betriebe durchzuführen hätten. Die Brünner
Wollindustrie hat von allem Anfange an die grundsätzliche Anschauung vertreten,
daß das System staatlicher Bevormundung so rasch als möglich
verschwinden müsse und die einzelnen Unternehmungen am besten
selbst die Aufgabe lösen würden, durch Ausnützung ihrer alten Beziehungen zu
den Rohstoffmärkten die Betriebe allmählich wieder in normalen Gang zu bringen.
Der Brünner Wollindustrie ist es erfreulicherweise gelungen, diesem Standpunkte
in den verschiedenen Organisationen der tschechoslowakischen Wollindustrie,
insbesondere in der Textilkommission und dem Kontrollsyndikate der