Full text: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

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THc Unternehmung. 
seine knorrige Ligenart der Disziplin einer j?roduktivgenossen- 
schaft nicht zu beugen vermocht, die freilich anders als in den 
Teilprodutionsgenossenschastsn der Landwirtschaft den selbftän- 
digen Betrieb völlig aufheben würde. Als Großunternehmer 
treten mehr und mehr die Aonfumvereine auf, indem sie Maffen- 
gobrauchsartikel einfacher Art (Brot, Seife, Mineralwasser, 
Wäsche usw.) selbst Herstellen. Früher hat man einmal gehofft, 
daß Produktivgenossenschaften von Industriearbeitern allmählich 
an Stelle der privaten Unternehmungen treten könnten, in denen 
sie jetzt als Angestellte beschäftigt sind; namentlich Lassalle hat 
diesen Gedanken ausgesponnen. x 
wir kommen mit dem letzten Punkt schon zu der Frage, die 
ja weite-Teile unseres Volkes ernstlich beschäftigt, ob nämlich 
nicht überhaupt dem Linzel-, dem Privatbetrieb eine Grenze ge 
setzt, ein Lüde gesteckt- sei, ob nicht besser die Aufgabe der wirt 
schaftlichen Produktion in die pände der Allgemeinheit, 
des Staates, der Gesellschaft gelegt werden solle. Ls 
sind ja viele Aufgaben, die früher der Linzelne oder ein kleiner 
Kreis erfüllte, in die Machtvollkommenheit des Staats über- 
geglitten. Für die persönliche Sicherheit tritt er. ein, die früher, 
in einzelnen Gegenden Asiens, in Innerafrika auch heut noch, 
jedermann mit den Waffen in der pand sich selbst erringen und 
schützen mußte. Der Unterricht, der früher Privatsache war, ist 
vom Staat und der Gemeinde übernommen, Kunst und Wissen 
schaft werden von ihnen gefördert. Ls ist also an sich bem 
Staat und anderen öffentlichen verbänden Tätigkeiten privater 
an sich zu ziehen nicht unbenommen; diese Mberherrlichkeit liegt 
in der Natur des Staates selbst. Und tatsächlich kann man 
darauf Hinweisen, daß der Staat schon eine Reihe 
wirtschaftlicher Tätigkeiten au.sübt. Denken wir 
vor allem an das Eisenbahnwesen, das bei uns in der pand des 
Staates liegt, während es z. B. in Frankreich noch fast ganz 
Privatgesellschaften überlassen ist. Der Staat hat in prmßen 
eine Reihe von Kohlengruben; den Befähigungsnachweis für 
den Kohlenbergwerksbetrieb hat er also abgelegt. 
In noch weiterem Umfange als der Staat - treten jetzt die 
Städte in die Reihe der sich wirtschaftlich Betätigenden ein. 
Die Stadt, und genauer gesprochen, die Großstadt, ist ja erst in 
der zweiten pälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Ls sind 
also eine Reihe neuer Forderungen und Bedürfnisse, die mit ihr
	        
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