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Nahrungssuche ist: Man geht in beiden Fällen direkt
auf sein Ziel los, ohne erst in langer Arbeit die Werk
zeuge dazu zu schaffen. Und doch ist es allein diese
lange, desinteressierte, an keine praktische Anwen
dung denkende Arbeit, die der Wissenschaft weiter
hilft. So sind denn Scharen von wissenschaftlichen
Arbeitern herangewachsen, die eigentlich wissen
schaftlicher Schulung ganz entbehren und allen
schwierigeren Methoden, längeren Gedankengängen
so gegenüberstehen, wie der Analphabet dem Faust.
Solche Arbeiter sind dann jedem Schlagworte unter
tan, vor keiner Verirrung geschützt, und ihr Vor
handensein ermöglicht es jeder gewandten Feder,
eine „neue Richtung“ zu begründen. Es liegt in der
Natur der Sache, daß das nicht leicht und nicht
schnell besser werden kann. Noch lange wird der
Nationalökonom, den das spezifisch wissenschaftliche
Interesse leitet, nicht auf die Stütze einer kompe
tenten Fachmeinung rechnen dürfen. Aber eine
Gefahr möchte ich diesen Zustand nicht nennen.
Denn die Wissenschaft kann vieles aushalten und
schließlich wird auch das besser werden.
Wichtiger als alles das ist jedoch die Tatsache,
daß es unter der Oberfläche, in der Werkstatt der
einzelnen sozialwissenschaftlichen Problemgruppen
um vieles besser steht, als es den Anschein hat.
Welches Gebiet immer wir ansehen mögen, stets
finden wir zwar all das Streiten und alle die Feuille-
tonistik, die alle Dinge, welche die Dornenkrone der
Popularität tragen, behelligen muß, aber auch stets
einen gesunden Kern ruhiger Arbeit. Das schla