Full text: Die Theorie der produktiven Kräfte in Lists "nationalem System der politischen Ökonomie"

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anderen Worten die zwei Seiten des ökonomischen Erfolges, 
nämlich den Güterzuwachs und die überwundenen Hindernisse, 
Jie zu diesem Zuwachs führen, sorgfältig unterscheidet.“ 
Dieser Ansicht Dührings möchten wir nicht beistimmen. List 
hat, wie wir schon sagten, in seinem nationalen System her- 
vorgehoben, daß für die Gebiete der Nationalökonomie, mit 
lenen er sich beschäftigte, die Hume-Smithsche Methode nicht 
ausreicht. Er ist daher empirisch vorgegangen mit Zuhilfenahme 
der Geschichte und Erfahrungstatsachen. Kurz, er bediente sich 
Jer induktiven Forschung. . 
List hat, weder ein System vorgefunden, noch eines geschaffen. 
Daran kranken auch seine theoretischen Ausführungen, denen es 
an Klarheit der Formulierung fehlt. Zwar kann man aus Lists 
oft sehr verwickelten Gedankengängen manches herauslesen, doch 
glauben wir nicht, daß List in seiner Theorie der produktiven 
Kräfte den Grundstein zu einer neuen Werttheorie legen wollte. 
Lists Polemik gegen Adam Smith läßt erkennen, daß er die Theorie 
der Tauschwerte bekämpfte, weil man sie auf Gebiete des Wirt- 
schaftslebens anwendete, wo sie zu keinem richtigen Ergebnis 
führen konnte, Nach unserer Ansicht vernachlässigt List die 
Werttheorie mit Absicht, weil er sich ausschließlich mit den Pro- 
blemen beschäftigt, die wir heute ein das Gebiet der Dynamik ver- 
‚egen, für die Probleme der Statik (d.1. Distribution, Wert und 
Preis) kein Interesse hat. Um Wert- und Preisfunktionen bestimmen 
zu können, muß man deduktiv vorgehen. Alle Varianten sind 
zunächst aus dem Wirtschaftsleben auszuschalten. Schumpeter 
charakterisiert diesen Zustand folgendermaßen‘): „Keine Ueber- 
raschung, kein Fortschritt zu Neuproduktionen darf stattfinden. 
da das unser System von Grund auf ändern‘ würde. Alle Pro- 
duktionen müssen genau so und genau mit dem Erfolge vor sich 
gehen, den man voraussah. Und alle Produktions- und Konsum- 
Honskombinationen müssen ein für alle mal fixiert. sein.“ . In 
einem Kapitel seiner theoretischen Nationalökonomie „Statik und 
Dynamik“ sagt Schumpeter über das Kompetenzgehiet der Statik *): 
„Nicht zugänglich ist ihr alles, was mit dem Phänomen der Ent- 
wicklung zusammenhängt. Ja — die Entwicklung und alles, was 
zu ihr gehört, entzieht sich unserer Betrachtung, das rein öko- 
nomische System ist essentiell entwicklungslos.“ ; 
Wir sagten, daß Dühring, der Nachfolger Lists, auch ein Ver- 
treter der Richtung der Nationalökonomie sei, ‘die noch in ihren 
Anfängen steht. Wir begründen diese unsere Ansicht dadurch, 
daß bei Dühring ebenso wie bei List der Kernpunkt seiner Oeko- 
nomie ein Problem aus der Dynamik ist, das Problem der Ent- 
wicklung des wirtschaftlichen Fortschritts, des produktiven Er- 
folges der produktiven Kraft. Dieses Problem finden wir in Düh- 
rings Theorie des Wertes in seiner Theorie des Kapitals. Es be- 
herrscht nach unserer Ansicht den Aufbau seiner Grundlegung. 
Schumpeter: Wesen und Hauptinhalt der theoretischeh Nationalöko- 
nomie. S. 255. 2) ebd. 5. 286.
	        
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