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Dühring verlangt, daß ein System ebenso der Beharrung wie der
Veränderung angepaßt ist und seine Wahrheit darin sucht, daß
es den Schematismus der Natur und Geschichte völlig adäquat deckt.
Dühring ist sich auch seiner Verwandtschaft mit List und
Carey voll bewußt. Nur in einem will er sich von seinen Vor-
gängern unterscheiden. List sowohl wie Carey lehnen mit Be-
stimmtheit für ihr Forschungsgebiet die Methode und das System
der klassischen Schule ab. Sie waren beide nur Synthetiker,
gingen beide nur mit Hilfe der Induktion vor. Sie wollten, wie
Dühring zwar nur in Bezug auf Carey sagt‘), „aus dem
Verwickelten und Vollen die Naturgesetze der Völkerökonomie
entnehmen“. Dühring ‚hingegen, der nicht nur Nationalökonom
wie List und Carey, sondern auch Physiker und Philosoph war,
glaubte, ohne ein exaktes Sytem, ohne Deduktion nicht auskommen
zu können. Ihm widerstrebten die oft unklaren und verwickelten
Begriffsbestimmungen eines List nnd Carey. Da nun aber die
Dynamik bis zum heutigen Tage systemlos ist, was lag da dem
Philosophen und Physiker Dühring näher als sich einer Methode,
eines Systems zu bedienen, das in vollendeter Weise von Adam
Smith bis zu Ricardo ausgebildet war. Nur übersah Dühring dabei,
was List und Carey erkannt hatten, und daran krankt nach un-
serer Auffassung sein System, daß man dem Problem der Ent-
wicklung nicht gerecht werden kann, wenn man mit einer sta-
tischen Grundlage arbeiten will.
Unter den Kritikern der Listtheorie nimmt nach unserer
Meinung Dühring die hervorragendste Stellung ein. Dühring hat
zwar seinen kritischen Aeußerungen über List kein ganzes Buch
gewidmet, wie Eheberg und auch Lists Zeitgenossen Oisander,
Rau etc. es taten; "seine Aeußerungen sind verstreut in seiner
Grundlegung, in seiner Geschichte, und in einem kurzen Aufsatz
über Lists theoretische Bedeutung in der deutschen Vierteljahrs-
schrift.
Dühring ist der erste, der die Bedeutung Lists erkennt, der
die Genialität seiner neuen Ideen und seiner Methode. im Ge-
gensatz zur klassischen Schule würdigt, der seine Verwandtschaft
in Methode und Auffassung mit Carey entdeckt. Wir können
getrost sagen, Dühring ist der eigentliche Entdecker der Theorie
der produktiven Kräfte. Nur in einem Punkt weichen wir von
Dührings Ansicht ab, da nämlich, wo er in Lists Theorie der
produktiven Kräfte eine Vorstufe zu seiner Werttheorie sucht.
Wir kommen jetzt zur letzten von uns zu betrachtenden
Kritik, derjenigen nämlich, die Werner Sombart in seinem „mo-
dernen Kapitalismus“ ausgesprochen hat. Eigentlich sind diese
Ausführungen Sombarts weder eine Kritik des theoretischen noch
des praktischen Teils des nationalen Systems. Es sind vielmehr
Gedanken über den Frühkapitalismus; über die Merkantilisten.
Daran anschließend sagt Sombart*): „Wir werden also, scheint
Dühring, Gesch. S. 426.
Sombart, Mod. Kap. II. Hlbhd. 2. Ba. Ss 920
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