Full text : Die Theorie der produktiven Kräfte in Lists "nationalem System der politischen Ökonomie"

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3 3.
Eine bewußte Fortentwicklung Listscher Ideen finden wir
bei Carey) und Dühring 9. Diese beiden Nationalökonomen betrachten
 die Probleme der Dynamik als einheitliches Ganzes. Sie
wollten ein Gesetz der volkswirtschaftlichen Entwicklung aufstellen,
 das für jegliche Entwicklung — bei welcher die stillschweigenden
 Voraussetzungen eines Gesetzes zutreffen — unbedingt
 und uneingeschränkt maßgebend sei. Wie im Listschen
System die Theorie der produktiven Kräfte die Idee der
wirtschaftlichen Fortentwicklung zum Ausdruck bringen
soll, so bei Carey die Theorie von der Fortschrittsrichtung im
Gange der Bodenkultur, bei Dühring die Wert- und Kapitaltheorie.

$ 4.
Die Theorie der produktiven Kräfte, wie sie als Gegensatz
zu der klassischen Schule. entstanden ist, ist, wie immer wieder
hervorgehoben werden muß; eine Theorie des wirtschaftlichen
Fortschritts. Die Mängel dieser Theorie sind, wie in dem ganzen
nationalen System der politischen Oekonomie, mangelnde Schärfe
bei der Formulierung der Begriffe, und dadurch sich ergebende
Unklarheiten. Ihre Mängel liegen ferner in der Polemik gegen
lie Schule. Ihre Bedeutung, gänzlich abgesehen von den praktischen
 Folgerungen der Industriepolitik und der Erziehungszölle,
legt einmal darin, daß List erkannt hat, daß eine Theorie des
wirtschaftlichen Prozesses der Produktion auch eine
Theorie der gesellschaftlichen Entwicklung, der gesellschaftlichen
 Organisation enthalten muß. Ferner, daß
or die Idee des wirtschaftlichen Prozesses der produktiven
 Kräfte für sich als allgemein gültiges Phänomen
behandelt, unabhängig von jeder Theorie der Statik.

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$ 5.
List hat in seiner Theorie immer wieder betont, daß für die
Volkswirtschaft der Prozeß wichtiger sei, als das Ergebnis, der
Vorgang, wichtiger als der Zustand: zu dem Problem aber,
wie denn der Prozeß an sich bewertet werden soll, hat er keine
Stellung genommen, — Dieses Problem ist überhaupt u. E. noch
aicht in völlig befriedigender Weise gelöst worden. Das Ergebnis
 eines Prozesses, die Wirkung einer produktiven Kraft
'st in der Statik objektiv messbar. Nun entsteht die Frage, ob
der Wert des Ergebnisses proportional sein muß dem Wert
des Prozesses und ob der Augenblickszustand der Grupplierung
 der produktiven Kraft, unabhängig vom Prinzip
der Entwicklung, maßgebend ist für ihre Bewertung.
Dühring versuchte diesen Zwiespalt der Betrachtungsarten dadurch
zu überbrücken, daß er die Bewertung der produktiven Kraft
auf eine gewisse Zeitspanne ausdehnen wollte. Dadurch glaubte

) Sombart S. 9131f.

?) Dühring, Grundl. S. 234
            
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