Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  II.

Der  Sinn  der  Ausdrücke.

scheint,  darin,  ob  die  Dinge  irn  Besitz  des  Konsumenten  sind  oder  nicht*).
Güter,  die  fertig  oder  unfertig  noch  ausgetauscht  werden  müssen,  um
konsumiert  zu  werden,  sind  Kapital;  solche  Güter  dagegen,  die  sich  in
den  fänden  der  Konsumenten  befinden,  sind  nicht  Kapital,  wenn  wir
demnach  Kapital  als  „im  Austausch  begriffene  Güter"  definieren,  indem
wir  mit  dem  Begriffe  des  Austausches  nicht  bloß  das  von  Hand  zu
Hand-Gehen,  sondern  auch  solche  Umwandlungen  umfassen,  wie  sie
eintreten,  wenn  die  reproduktiven  und  umformenden  Kräfte  der  Natur
zur  Vermehrung  der  Güter  benutzt  werden,  so  werden  wir,  denke  ich,
alle  Dinge  darunter  begreifen,  welche  der  allgemeine  Begriff  von  Kapital
füglich  umfaßt  und  alle  ausschließen,  die  er  nicht  umfaßt.  Unter  diese
Definition  werden  z.  B.,  wie  mir  scheint,  alle  die  Werkzeuge  fallen,
die  wirklich  Kapital  sind.  Denn  der  Umstand,  ob  dessen  Dienste  oder
Verwendungen  ausgetauscht  werden  oder  nicht,  macht  ein  Werkzeug
zu  einem  Gegenstände  des  Kapitals  oder  bloß  der  Güter.  So  ist  die  von
einem  Handwerker  zur  Anfertigung  verkäuflicher  Dinge  benutzte  Drehbank ­
  Kapital,  während  die  von  einem  Privatmanne  zum  vergnügen
gebrauchte  es  nicht  ist.  So  kann  man  sagen,  daß  Güter,  die  zur  Herstellung ­
  einer  Eisenbahn,  einer  öffentlichen  Telegraphenlinie,  einer
Postkutsche,  eines  Theaters,  eines  Hotels  rc.  benutzt  werden,  im  Austausch ­
  begriffen  sind.  Der  Austausch  geschieht  nicht  auf  einmal,  aber
nach  und  nach  mit  einer  unbestimmten  Anzahl  von  Leuten.  Doch  ist
immer  ein  Austausch  vorhanden,  und  die  „Konsumenten"  der  Eisenbahn,
der  Telegraphenlinie,  der  Postkutsche,  des  Theaters  oder  des  Hotels
find  nicht  die  Eigentümer,  sondern  die  Leute,  welche  sie  zeitweilig
benutzen.
Diese  Definition  ist  auch  mit  dem  Begriffe,  daß  das  Kapital  der
der  Produktion  gewidmete  Teil  der  Güter  ist,  vereinbar.  Ls  ist  eine
zu  enge  Auffassung  von  der  Produktion,  sie  bloß  auf  die  Anfertigung
von  Dingen  zu  beschränken.  Die  Produktion  schließt  nicht  nur  die  Anfertigung ­
  von  Dingen,  sondern  auch  die  Übermittelung  derselben  an
den  Konsumenten  ein.  Der  Kaufmann  oder  Ladeninhaber  ist  somit
nicht  weniger  Produzent  als  es  der  Fabrikant  oder  der  Landwirt  ist,
und  dessen  vermögen  oder  Kapital  ist  gerade  so  gut  der  Produktion
gewidmet  als  das  ihrige.  Indessen  verlohnt  es  nicht  der  Mühe,  jetzt
bei  den  Funktionen  des  Kapitals  zu  verweilen,  die  wir  später  besser
werden  bestimmen  können.  Auch  ist  die  von  mir  gegebene  Definition
von  Kapital  von  keiner  Wichtigkeit.  Ich  schreibe  kein  Lehrbuch,  sondern

*)  Geld  lärm  in  den  ksänden  des  Konsumenten  befindlich  genannt  werden,  wenn
es  derBedürfnisbefriedigung  dient,  denn  obgleich  es  nicht  selbst  konsumiert  wird,  repräsentiert ­
  es  doch  Güter,  die  konsumiert  werden,  und  so  würde  durch  diese  Unterscheidung  die
von  mir  im  vorigen  Absatz  als  die  gewöhnliche  Einteilung  angegebene  gedeckt  und
wesentlich  berichtigt  sein.  lVenn  ich  in  diesem  Zusammenhange  von  Geld  spreche,  meine
ich  natürlich  Münze,  denn  obgleich  Papiergeld  alle  Funktionen  der  Münze  erfüllen  kann,
ist  es  doch  kein  Gut  und  kann  somit  nicht  Kapital  sein.
Deorge,  Fortschritt  und  Armut.  z
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.