Full text : Wirtschaft als Leben

i66

,Die  Herrschaft  des  Wortes“,

So  erfahren  wir  es  ewiglich  von  neuem,  daß  unser  Können  nicht
Schritt  hält  mit  unserem  Wollen;  der  Erfolg  bleibt  hinter  unserem
ursprünglichen  Streben  zurück.  Dieses  Hinken  des  Erfolges  tritt  schon
im  einzelnen  nur  zu  oft  ein;  unfehlbar  jedoch,  wenn  wir  ins  Ganze
rechnen.  Da  ergibt  sich  dann,  daß  nicht  unserem  Wollen,  aber  unserem
Können  starre  Grenzen  gezogen  sind.  Gegen  diese  Grenzen  rennt
unser  Handeln  überallhin  an.  Wer  sie  im  voraus  in  acht  behält,
mildert  wohl  den  Anprall;  aber  daß  solche  Grenzen  da  sind,  bleibt
als  Erfahrung  niemand  erspart.
Hierin  beruht  nun  so  ein  letzter  Tatbestand,  um  dessen  willen
sich  seitliche  Zusammenhänge  im  Handeln  knüpfen.  Unser  Wollen
unbegrenzt,  unser  Können  begrenzt,  das  reimt  sich  nur  zu  der  bitteren
Einsicht  zusammen,  daß  sich  nie  ein  Streben  erfüllen  läßt,
ohne  dem  Erfolge  anderer  Streben  in  irgendeiner  Weise
Abbruch  zu  tun.  Denn  alle  Erfüllung  nagt  an  der  Erfüllbarkeit
des  Unerfüllten.  So  waltet  das  eine,  das  Grundverhältnis  der  Not.
Es  mutet  wie  ein  Segen  an,  den  Fluch  ausgleichend,  der  mit
der  Not  auf  dem  Handeln  lastet,  wenn  es  uns  allezeit  freisteht,  durch
vereintes  Streben  Erfolge  zu  erreichen,  die  dem  einzelnen  Streben
versagt  blieben.  Auch  dahinter  birgt  sich  nun  ein  letzter  Tatbestand,
der  ganz  unmittelbar  dem  seitlichen  Zusammenhang  im  Handeln
unterliegt.  Mit  der  Art  und  Weise,  wie  sich  das  einzelne  Streben
in  der  Wucht  seiner  Erfüllung  zu  steigern  weiß,  kraft
des  Daseins  einer  Mehrheit  von  Handelnden,  damit  bringt
sich  das  Walten  des  anderen  der  beiden  Grundverhältnisse  zum  Ausdruck, ­
  jenes  der  Macht.  Mögen  Sie  nicht  übersehen,  daß  ich  hier
genau  so  wenig  eine  „Definition  der  Macht“  liefern  will,  wie  dort  eine
„Definition  der  Not“.  Diese  Ausdrücke  bedeuten  nicht  einmal  die
Namen,  sie  dienen  mir  als  bloße  Stichworte  jener  Grundverhältnisse;
  sie  sollen  einfach  die  Gedanken  auf  jene  letzten  Tatbestände
lenken,  die  ich  flüchtig  geschildert  habe.  Das  sind  aber  so  lapidare
Gemeinplätze,  daß  man  unwillkürlich  nach  einem  markigen  Ausdruck
hascht.
Not  und  Macht,  im  Bilde  gesprochen,  stellen  die  beiden  Brennpunkte ­
  vor,  von  denen  alle  seitlichen  Zusammenhänge  im  Handeln
ausstrahlen.  Wie  sich  das  früher  berührte  Auseinander  der  Handlungen ­
  aus  den  strebigen  Zusammenhängen  spinnt,  so  das  Wegeneinander ­
  aus  den  notbedungenen,  das  Miteinander  aus  den
machtbedingenden.  Ein  Dreierlei  der  Zusammenhänge,  von  denen
das  lebendige  Flechtwerk  des  Alltags  in  dichter  und  unendlich  mannigfaltiger ­
  Verschlingung  gewoben  wird.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.