Full text : Wirtschaft als Leben

Ausblicke,  XIII.

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anderen  Gründen,  und  jeder  nur  von  seinem  Standpunkte  aus  recht
hat.  Darüber  muß  man  sich  klar  bleiben.  Ein  Bezug  zwischen  der
schildernden  Wissenschaft  rechts,  und  dem  „Wirtschaftlichen“  links,  ist
buchstäblich  nur  so  vorhanden,  daß  man  nach  jener  so  verschwommenen ­
  „Bestimmung“  zurückflüchtet.  Und  so  fällt  wahrhaftig  dieses
„Wirtschaftliche“  allein  in  Betracht:  Alles  das,  was  vor  unserem  Blicke
mehr  ans  Licht  tritt,  sobald  dieser  Blick  von  dem  Gesichtspunkte  der
Not  her  auf  die  Welt  des  Handelns  trifft.
Sofort  wird  nun  klar,  unter  welchen  Verhältnissen  es  so  recht
erst  praktisch  wird,  in  der  Welt  des  Handelns  das  „Wirtschaftliche“
zu  erblicken:  Beim  Nachdichten  des  gewissen  Flechtwerkes,  im  Durchdenken ­
  des  gewissen  Wechselbezuges.  Man  faßt  dann  von  Haus  aus
jene  Gegenstände  ins  Auge,  deren  Bezug  zu  den  notbedungenen  Zusammenhängen ­
  schon  vom  Boden  der  Gemeinen  Erfahrung  aus  offen
liegt:  „Wirtschaft“,  „Tausch“,  „Arbeit“,  „Vermögen“,  „Kapital“,  „Preis“,
„Geld“,  „Lohn“  usw..  Es  ist  durchaus  nicht  gesagt,  daß  sich  unter
diesen  Worten  stets  nur  etwas  denken  läßt,  was  ausschließlich  mit
den  notbedungenen  Zusammenhängen  in  Beziehung  steht.  Allein,  unbewußt ­
  stellt  man  sich  so,  vom  Worte  daraufhin  belastet,  als
ob  nur  die  „wirtschaftlichen“  Zusammenhänge  in  Frage  kämen.  Und
so  spinnt  man  auch  Diese  allein  aus  den  Gegenständen  heraus,
wenn  man  auf  der  Spur  ihres  Wechselbezuges  von  dem  einen  zum
anderen  hindenkt.  Auf  solche  Weise  wäre  sogar  klarbewußt  zu  erreichen, ­
  was  hier  wortgläubig  unbewußt  resultieren  muß:  gleichsam
Reinkulturen  des  „Wirtschaftlichen“;  nichts  als  Dinge,  die
man  bei  der  Beschauung  aus  dem  Gesichtspunkte  der  Not  vor  sich
sieht.  Diese  einseitige  Nachdichtung  wird  immer  noch  dem  Flechtwerk
ähnlich  sein;  aber  schon  mehr  im  Sinne  der  Karikatur.  Das  bemerkt
man  freilich  nur,  sobald  man  klaren  Auges  den  Schlichen  unseres
bequemen  Denkens  nachgefolgt  war;  denn  nichts  als  Bequemlichkeit
lst  e s  ja,  das  Flechtwerk  so  ins  Einfachste  zu  karikieren.  Im  anderen
Falle  jedoch,  wenn  man  dem  Worte  auf  den  Leim  gegangen  ist,  sieht
man  in  dieser  fertigen  Dichtung  mit  dem  Kehrreim  der  Not  durchaus
keine  Karikatur,  sondern  nur  das  treffende  Abbild  eines  „Gebietes“;
man  sieht  das  „Wirtschaftsleben“  vor  sich  ausgebreitet  1  Tief
überzeugt,  daß  hier  der  eine  unter  den  vielen  notwendigen  Schritten
getan  wäre,  eines  der  vielerlei  „Gebiete“  erledigt,  nach  denen  das
Menschheitsleben  erledigt  werden  muß,  um  es  überhaupt  zu  erledigen.
Unser  Denken  schafft  eben  nirgends  so  gründliche  Arbeit  wie  dort,
w °  es  einmal  anfängt,  sich  die  Arbeit  leicht  zu  machen.  Wo  immer
bie  generalisierende  Abstraktion  auch  nur  zum  Scheine  da  ist,
            
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