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„Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“,
punkt bestimmend, für den wir uns im voraus entscheiden. Einer
„orographischen“ Auffassung des Berges zuliebe müssen wir eben nach
„orographischen“ Einheiten ausblicken, um festzustellen, wie zu ihnen
unser Berg irgendwie Stellung nimmt. Zwischen jenen Urteilen über
das Gefüge und über die Stellung, deren Verschmelzung die Indi
vidualität ergeben soll, waltet also stets Korrelation. Allein, auch
solcher korrelativer Einheiten, hier also der „orographischen“, gäbe es
immer noch eine unübersehbare Vielzahl; weshalb greifen wir gerade
das Plateau und den Höhenzug heraus i Kein Zweifel, daß sie gleichsam
die Nachbarn sind, das Plateau sogar in physischem Zusammenhang
mit unserem Berge ist. Irgendwie spielt diese Rücksicht auf das
„Nächstliegende“ sicherlich mit. Fällt aber schon daraufhin jenen
beiden Gebilden die Rolle zu, für die erforderliche Konstellations
bestimmung als Richtpunkte zu dienen?
Wie es die bloße Nähe nicht ausmacht, das läßt sich an einer
Ergänzung unseres Beispieles beleuchten. Angenommen, es breitet
sich am Fuße des Plateaus, für unseren Berg also vielleicht in größerer
Nähe als der Höhenzug, eine Ebene aus. Auch damit liegt eine
„orographische“ Einheit vor, in bezug auf die sich unser Berg charak
terisieren ließe; und doch nehmen wir zu letzterem Behufe instinktiv
sofort vom Höhenzug Notiz 1 So gilt es wenigstens für unser geo
graphisches Denken schlechthin. Nun sei aber der Fall gesetzt, daß
gegen Dingskirchen ein Heeresteil kämpfend anrückt, und zwar von
jener Ebene her. Würdigen wir nunmehr die Sachlage, dann müßten
wir den Berg sofort zur Ebene in Beziehung setzen; danach etwa,
wie er sie „beherrscht“, so daß er als „Schlüssel“ des ganzen Geländes
um Dingskirchen zu charakterisieren wäre. An den Verhältnissen der
Nähe hat sich nichts geändert; der Wandel betrifft bloß die Auf
fassung, von der die Individuation getragen wird. Im zweiten Falle
spielen offenbar „taktische“ Erwägungen ein. Es hängt dies aber
damit zusammen, daß die explikativen Absichten, die sich
jeglicher Individuation notwendig verknüpfen, im zweiten Falle ganz
andere sind. Dadurch ist dann vor allem die Ebene ein Richtpunkt
der Konstellationsbestimmung geworden.
Hier liegt tatsächlich die Lösung der Schwierigkeiten — die
natürlich nur theoretisch hervorzukehren waren, denn für unser prak
tisches Denken, in seiner Geläufigkeit, sind sie ja kaum vorhanden.
Es ergeben sich die Richtpunkte der Konstellationsbestimmung
stets dadurch, daß wir mit der Absicht einer Individuation notwendig
auch die Absicht einer Explikation verbinden; expliziert aber
wird ein höheres System. In unserem Beispiele stellen zwar