Full text : Wirtschaft als Leben

Ausklänge.

XXI.
Sinn  und  Beruf  der  Allwirtschaftslehre  ließen  sich  anders  nicht
klären  als  durch  eitel  Angriffe  auf  die  herkömmliche  Art,  nationalökonomische ­
  Theorie  zu  treiben.  Eines  aber  kann  man  dieser  Theorie
nicht  nehmen:  sie  oder  doch  etwas  ebenso  Naives  mußte  den  Anfang
machen!  Nur  fiel  hier  dieser  Anfang  ein  wenig  zu  gründlich  aus;
alsbald  trat  ja  die  „klassische  Schule“  auf  und  täuschte  sich  selber  und
den  Epigonen  eine  Reife  vor,  als  wäre  gleich  im  ersten  Anlauf  der
Gipfel  erstiegen  worden.  Aber  wie  es  auch  kam,  niemals  hätte  eine
andere  als  naive  Theorie  den  Beginn  machen  können.  Denn  anders
bebt  der  Werdegang  einer  Wissenschaft  einmal  nicht  an.  So  nehmen
sich  im  Grunde  alle  gerügten  Fehler  und  Schwächen  um  so  verzeihlicher ­
  aus,  je  mehr  sie  für  entwicklungsnotwendig  gelten  dürfen.  Das
dürfen  sie  in  hohem  Grade.  Ihre  Reife  erlangt  eine  Wissenschaft,  das
ist  klar,  immer  erst  im  Wege  der  Selbstbesinnung  ihres  Denkens;  es
ist  nicht  minder  klar,  daß  schon  viel  an  Gedachtem  da  sein  muß,  ehe
man  von  da  aus  Einkehr  halten  kann  in  das  Erdenken.
Was  dieser  Zwang  zu  naiver  Theorie  bedeutet,  dem  jede  Wissenschaft ­
  in  ihren  Anfängen  unterworfen  bleibt,  das  tritt  nirgends  so
greifbar  hervor  wie  im  Angesichte  der  restlichen,  der  Frage  nach  dem
nationalökonomischen  Grundproblem  I  Allwirtschaftslehre,  als  der  Versuch ­
  abgeklärter  Theorie  des  W  irtschaftslebens,  steht  und  fällt  mit  der
Antwort  auf  diese  Frage.  Natürlich  lassen  sich  alle  die  Probleme,  die
von  jenem  grundlegendsten  her  ausstrahlen,  niemals  vollständig  übersehen; ­
  allein  schon  der  Reichtum  des  Lebens  und  seiner  Wandlungen
sorgt  für  ewige  Unruhe  in  der  Problematik  unserer  Wissenschaft.  Im
Grundsatz  aber  bleibt  reife  Theorie  nur  so  denkbar,  daß  von  jenem,
a lles  umspannenden  Grundproblem  aus  ein  streng  geschlossener  Gedankengang ­
  führt  nach  allen  anderen  Problemen.  Unbedingt  also  von
dort  her  richtet  sich  die  ganze  Bewegung  des  theoretischen  Denkens
einheitlich  aus.  Darum  gebührt  der  Frage  nach  dem  Grundproblem
            
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