Full text : Wirtschaft als Leben

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p Freiheit  vom  Worte“,

XXIV.
Hier  rundet  sich  auch  das  Zwiegespräch  mit  der  Soziologie.
Drängen  jene  Grundfragen  der  Fachwissenschaft  ganz  in  der  Richtung,
daß  man  abermals  der  inneren  Einheit  aller  Fachwissenschaften  unseres
Kreises  gewahr  wird,  heißt  dies  nicht  wieder  Soziologie  treiben  ?  Ohne
Zweifel:  „Soziologie  als  Erkenntnislehre“  1  Es  gilt  da  ausgesprochen
erkenntniskritische  Leistungen,  ein  besinnliches  Versenken  in  den  Tatbestand ­
  des  Zusammenlebens,  tief  genug,  daß  man  es  absieht,  welcher
Art  Erkenntnis  überhaupt  und  wievielerlei  Erkenntnisweisen  im  besonderen ­
  dort  „möglich“  wären,  wo  das  menschliche  Zusammenleben
zum  Vorwurf  wird.
Grundsätzlich  steht  nichts  im  Wege,  dieses  heikle  Geschäft  als
eine  Aufgabe  ganz  für  sich  zu  besorgen.  Das  würde  sich  im  Stoffe
und  im  Ziele,  keineswegs  im  Vorgang,  ungefähr  damit  berühren,  wie
Othmar  Spann  die  Soziologie  überhaupt  auffaßt,  als  „Analyse  des
formalen  und  materialen  Gesellschaftsbegriffes“.  Ob  hier  tatsächlich
eine  Fachwissenschaft  vorliegt,  dazu  fällt  noch  ein  Wort.  Im  übrigen
verbietet  sich  ein  Austrag  an  dieser  Stelle.  Nur  soviel  bringt  sich  ganz
von  selber  hier  in  Erinnerung,  daß  ich  zwar  schon  die  längste  Zeit
von  Soziologie,  niemals  aber  —  oder  doch  einmal  nur  in  einem  ganz
abgesonderten  Sinne  —  von  „Gesellschaft“  gesprochen  habe,  geschweige
von  „dem  Gesellschaftsbegriff“  1  Ich  spreche  immer  vom  Tatbestand
des  menschlichen  Zusammenlebens.  Das  will  sagen,  ich  suche  für  jenen
Tatbestand,  der  so  wuchtig  tatsächlich  und  auch  gedanklich  so  unverwechselbar ­
  ist  wie  unser  eigenes,  ichbejahendes  Leben,  für  diesen
Tatbestand  suche  ich  nach  der  denkbar  harmlosesten,  unvorgreiflichsten
Wendung:  Zusammenleben,  als  Dauer  im  Wechselspiel  von  Leben  zu
Leben  der  Beteiligten.  Man  wird  es  vielleicht  herausfühlen,  wie  dies
nicht  eine  faule  Umschreibung  besagt,  sondern  gleichsam  ein  Zurücktreten ­
  auf  festen  Grund.  Das  hierdurch  ermöglichte  Totschweigen  der
„Gesellschaft“  aber  ist  weder  Marotte  noch  Mache,  sondern  imperativster
Zwang  der  richtigen  Gedankenführung  hier.  Selbst  wenn  man  menschliches ­
  Zusammenleben  und  Gesellschaft  so  weit  hin  gleichsetzt,  daß  man
„Gesellschaft“  als  das  Gebilde  ansieht,  in  welchem  das  Zusammenleben
aufgehoben  wäre,  so  unterläuft  hier  eine  „kategoriale  Verschiebung“,
die  nicht  weniger  problematisch  ist  als  der  Denkinhalt  des  Wortes
„Gesellschaft“  selber.  Man  kann  aber  doch  nicht  für  den  Kampf  gegen
die  „Herrschaft  des  Wortes“  plädieren,  um  die  ganze  Untersuchung
schließlich  und  geradeaus  in  den  gähnenden  Rachen  eines  der  problema ­
            
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