Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

202  Vierter  Abschnitt.  Konjunkturprognose  und  Konjunkturpolitik.

Mittel  und  Wege  es  gibt,  einem  solchen  Konjunkturumschwung  entgegenzuwirken, ­
  welche  Möglichkeiten  hier  der  einzelne  und  welche
•die  Gesamtheit  zur  Lösung  dieser  Aufgabe  hat.  Die  dritte  und  letzte
Frage,  welche  sich  dann  noch  ergibt,  in  welcher  Weise  beim  Eintritt
eines  solchen  Umschwunges  dessen  ungünstige  Wirkungen  gemildert
werden  können,  ist  oben  schon  behandelt  worden.
Daß  es  sich  bei  all  diesen  Fragen  vor  allem  um  den  Übergang
von  der  Hochkonjunktur  zur  Depression  handelt,  nur  um  den  Niedergang, ­
  nicht  um  den  Wiederaufstieg  des  Wirtschaftslebens,  liegt  auf
der  Hand.  Es  wäre  sinnlos,  von  einer  Konjunkturpolitik  in  dem
Sinne  sprechen  zu  wollen,  daß  man  dabei  die  Absicht  hat,  einem
Wiederaufschwung  vorzubeugen.  Nur  in  einem  Sinne  gehört  auch
die  Betrachtung  der  Hochkonjunktur  in  den  Bereich  dieser  Probleme.
Auch  von  der  Hausse  gilt  nämlich  der  Ausspruch  des  Dichters:
,,Je  hüh’r  ein  Haupt,  je  meinen  Blitzen  näher!“
Je  hochgetriebener  die  Hausse  ist,  je  umfangreichere  Neuanlagei}
und  Neugründungen  stattgefunden  haben,  je  höher  die  Preise  und
die  Gewinne  gewesen  sind,  in  je  stärkerem  Maße  die  Spekulation
diese  günstigen  Chancen  auszunützen  versucht  hat,  um  so  unheilvoller ­
  kann  der  Niedergang  werden,  um  so  mehr  kann  die  Depression
den  Charakter  einer  ausgesprochenen  Wirtschaftskrise  annehmen.
Die  vornehmste  und  wichtigste  Aufgabe  aller  Konjunkturpolitik  in
dem  Sinne,  in  welchem  sie  an  dieser  Stelle  gefaßt  wird,  kann  es
immer  nur  sein,  die  Wellenbewegungen  im  Wirtschaftsleben  abzuflachen ­
  und  damit  dessen  Gang  auf  die  Dauer  in  gleichmäßigere
und  ruhigere  Bahnen  zu  lenken.  Diesem  Ziele  dienen  nicht  nur  die
Mittel,  dem  Niedergang  des  Wirtschaftslebens,  dem  Eintreten  einer
Depression  vorzubeugen,  sondern  auch  alle  die  Maßnahmen,  welche
geeignet  sind,  alle  Übertreibungen  vor  allem  auch  solche  spekulativer
Natur,  während  der  Hausse  zu  bekämpfen.  Vom  volkswirtschaftlichen
und  sozialen  Standpunkt  aus  kann  das  Ideal  immer  nur  in  einem
möglichst  ruhigen  und  gleichmäßigen  Ablauf  des  Wirtschaftslebens
liegen  und  in  diesem  Sinne  gehört  auch  die  Beeinflussung  der
Haussebewegung  in  den  Rahmen  dieser  Konjunkturpolitik.
Wir  haben  oben  eingehend  die  Merkmale  des  Auf  und  Ab  im
Wirtschaftsleben  auf  den  allerverschiedensten  Gebieten  kennengelernt. ­
  Damals  hatte  es  sich  darum  gehandelt,  die  vollzogenen  Wandlungen ­
  und  ihre  Wirkungen  festzustellen.  Bei  der  Prognose  der
Konjunktur  handelt  es  sich  dagegen  darum,  die  Symptome,  die  Anzeichen ­
  eines  bevorstehenden  Umschwunges  der  Konjunktur,  kennenzulernen. ­
  Genügte  es  für  die  erstgenannte  Aufgabe,  wie  schon  oben
            
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