Object: Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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keit der Verpflichtungen der Bauern, die im alten Vertrage nur zu Gunsten 
des Gutsherrn bestehen, befreit. 
Die Anwendung des Geldlohnes bringt im Arbeitsvertrag eine 
grössere Mannigfaltigkeit der Arbeitsleistungen und Arbeitslöhne und eine 
grössere Differenzierung der Arbeiter mit sich. Vor allem weicht der 
Akkordlohn dem Tagelohn. 
Gegenwärtig bestehen in den neurussischen Gouvernements folgende 
Arten des Geldlohnes: 
1. der Taglohn, 
2. der Akkordlohn, 
3. der Fristlohn, 
4. der Monatslohn, 
5. der Jahreslohn. 
Die ersten beiden Arten zerfallen in zwei Unterarten: 1. mit Ver 
köstigung und 2. ohne Verköstigung. 
Für die Frist-, Monats- und Jahreslöhne verdingen sich Arbeiter 
gewöhnlich nur mit Verköstigung. Der Tagelohn bildet die vorherrschende 
Form des Arbeitslohnes. Er ist die unter den kapitalistischen Verhältnissen 
typische Form des Arbeitslohnes. Als Taglöhner tritt der Bauer dem 
Gutsherrn nur als ein freier Verkäufer seiner Arbeit gegenüber und 
gewöhnlich ist er kein Angehöriger der Hauswirtschaft des Gutsherrn. 
Als Taglöhner verdingen sich entweder Wanderarbeiter, oder von den 
einheimischen Lohnarbeitern am meisten die besitzlosen, die «Zehenter» 
und «Schenkungsbauern». Auch die grundbesitzenden Bauern verdingen 
sich unter Umständen als Taglöhner da, wo ihre Wirtschaft ihnen freie 
Zeit lässt. Die Gutsherren ziehen die Taglöhner vor, mit denen sie nicht 
so eng verbunden sind, wie mit den Lohnarbeitern, die auf einen Monat, 
besonders für eine bestimmte Frist verdungen werden. — Unter den 
Taglöhnern werden die Wanderarbeiter vorgezogen. 
Diese Bevorzugung der Taglöhner vor allen anderen Lohnarbeitern 
lässt sich aus den Ernteschwankungen in den neurussischen Gouverne 
ments erklären. Bei der vollständigen Abhängigkeit der neurussischen 
Landwirtschaft von der Witterung ist der Gutsherr gar nicht im Stande, 
Eintritt und Ausfall der Ernte und die Grösse des Bedarfes an Arbeits 
kräften vorauszubestimmen. Es kommt sehr oft vor, dass Regen oder 
andere Witterungserscheinungen die voraus gemachten Berechnungen 
als falsch erweisen und somit eine bedeutende Zahl der Arbeiter über 
flüssig oder auch dringend gebraucht wird.
	        
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