s8
Neuntes Buch. Erstes Kapitel.
Frankreich einen Kreuzzug vorbereitete; und im Inland wußte
König Heinrich den alten Freund der Welfen, Philipp von
Heinsberg, auf seine Seite zu ziehen. So kam es im Juli 1190,
unter Vermittlung Philipps, zu einem vorläufigen Frieden
zwischen König und Herzog, wonach der Herzog seine Erblande
sowie die Hälfte der Herrschaft über Lübeck behielt, dagegen die
Stadt Braunschweig teilweis, die Lauenburg gänzlich schleifen
und seine beiden ältesten Söhne, Heinrich und Lothar, dem
König als Geiseln stellen mußte.
Sehr glücklich war diese Lösung für König Heinrich in
diesem Augenblick, denn inzwischen waren für ihn als Gemahl
der sizilischen Erbtochter peinliche Zwischenfälle eingetreten.
Am 16. November 1189 war Wilhelm II. von Sizilien,
der letzte der legitimen normannischen Herrscher, gestorben, nach⸗
dem er vorher die Edlen des Reiches dem König Heinrich und
Konstanze, der rechtmäßigen Erbin, hatte schwören lassen. Aber
die Barone achteten des Eides nicht und erhoben Tankred auf
den Thron, einen Bastard, den Herzog Roger, ein Bruder
Konstanzens, mit einer Gräfin von Lecce gezeugt hatte; und
diese Wahl ward vom Papst als Lehnsherrn der Krone Siziliens
gebilligt.
Heinrich hatte, in Deutschland voll beschäftigt, einstweilen
nur seinen ehemaligen militärischen Erzieher, den tapferen Mar—
schall Heinrich von Kalden, nach Italien entsenden können. Der
Marschall, einer der bedeutendsten Dienstmannen des Reichs,
warb in Apulien ein kleines Heer, aber seine anfänglichen Fort—
schritte wurden bald durch die Fieberdünste Unteritaliens ge—
lähmt. Es war im Sommer 11950, zur selben Zeit, da Kaifer
Friedrich im Salef ertrank: in Italien wie im Orient fand die
staufische Sache Hindernisse.
Da wurde König Heinrich durch seinen Vertrag mit Heinrich
dem Löwen in Deutschland frei. Sofort eilte er nach Italien,
mit Beginn des Jahres 1191 rückte er ins römische Gebiet ein,
und rücksichtslos zwang er dem zögernden Papst durch Ausspielen
der Römer gegen das kuriale Regiment die Kaiserkrone ab,
am 15. April 1191. Und nun überschritt er die Grenzen seines