Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

40  Zweiter  Abschnitt.  Der  Ablauf  der  Konjunktur  seit  Gründung  des  Reiches.

Kapitalmarkt«  deutliche  Zeichen  einer  bevorstehenden  Wendung
gezeigt  hatten,  kam  es  im  Jahre  1873  von  Wien  ausgehend,  wo  ebenfalls ­
  die  Gründungswut  alles  erträgliche  Maß  überschritten  hatte,
zur  Katastrophe.  Am  8.  Mai  1873  wurden  allein  an  der  Wiener
Börse  78  Insolvenzen  erklärt.  Nach  einer  kurzen,  vorübergehenden
Erholung  übertrug  sich  der  Krach  auch  auf  Deutschland,  vor  allem
auf  die  Berliner  Börse,  wo  Gründungen  und  Spekulation  ungehemmt
ihre  Orgien  hatten  feiern  können.  Die  Börsenkurse  gingen  stark
zurück,  es  erfolgten  zahlreiche  Zusammenbrüche,  die  sehr  rasch  die
ganze  Volkswirtschaft  in  Mitleidenschaft  zogen.  Der  stolze  Bau,
welchen  die  Spekulation  aufgerichtet  hatte,  brach  zusammen.
In  Berlin  bewegte  sich  der  Kurs  der  wichtigsten  Bankaktien
in  der  folgenden  Weise:  am

30.  6.  72

30.  6.  73

30.  6.  75

Diskontogesellschaft

314

225

106

Deutsche  Bank

210

164

102

Berliner  Handelsgesellschaft  .  .

182

140

00

Leipziger  Kreditanstalt  ....

195

163

105

Schaaffhausenscher  Bankverein  .

174

149

67

Die  Berliner  Handelsgesellschaft  mußte  im  Jahre  1876  den
ganzen  Reingewinn  von  über  2  Millionen  und  die  ganzen  Reserven ­
  mit  über  3  Millionen  Mark  zu  Abschreibungen  verwenden,  der
Schaaffhausensche  Bankverein  mußte  im  Jahre  1878  sein  Aktienkapital ­
  von  48  auf  36  Millionen  Mark  Zusammenlegen,  nachdem
schon  vorher  seine  Reserven  in  der  Höhe  von  9  Millionen  Mark
verbraucht  worden  waren.
Seit  dem  Jahre  1884  hat  dann  ein  strengeres  Aktienrecht  den
Gründungsprozeß  in  solidere  Bahnen  gelenkt  und  die  Ansammlung
größerer  Reserven  vor  allem  durch  die  Bestimmung  erzwungen,  daß
das  Agio  neuer  Aktien  von  da  ab  den  Reserven  zugeführt  werden
mußte.
Die  Zahl  der  Hochöfen,  welche  in  Preußen  in  Betrieb  waren,
ging  in  den  Jahren  1874—76  von  465  auf  230  zurück,  in  der  Periode
von  1873—76  sank  die  Menge  des  erzeugten  Roheisens  von  181,5
auf  87,3  Millionen  Tonnen,  die  Zwangsverkäufe  auf  dem  Berliner
Grundstücksmarkt  nahmen  um  über  das  zwölffache  zu.  Nach
Oechelhäuser  betrugen  die  durchschnittlichen  Kurse,  bzw.  Dividenden, ­
  der  an  der  Berliner  Börse  notierten  Bergwerks-  und  Hüttengesellschaften: ­

            
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